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Abb. 11: „Anonyme Stadt“

„Anonyme Stadt“, Graffiti, Prag August 1968
© Magnum Photos / Joseph Koudelka

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(Un-)Sichtbarkeit des Protests war ein wesentliches Merkmal der Protestbewegung in der Tschechoslowakei 1968: Besonders die Demontage und das Unkenntlichmachen von Straßenschildern, Hausnummern und auch Schildern mit den Namen von MieterInnen bei Wohnhäusern wie es das Foto von Josef Koudelka verdeutlicht ließen Prag als „anonyme Stadt“ erscheinen. Diese Aktion wurde vom freien Radiosender Station Prag angeregt. Ziel war es, die Warschauer-Pakt-Truppen an der räumlichen Orientierung zu hindern. Zahlreiche Graffiti auf den Häuserwänden, Schaufenstern, Panzern, Brückenpfeilern, Straßen etc. wiesen außerdem explizit in kyrillischer wie auch in lateinischer Schrift auf die Unerwünschtheit der Invasoren hin: „Der Postbote findet sich zurecht, der Eindringling wohl eher schlecht!“[1] war beispielsweise auf eine Straße gepinselt.

Dieses Foto wurde mit einer Serie von fast 10.000 Bildern der Invasion in Prag von Josef Koudelka, einem Theaterfotografen, erstellt. Die Bilderserie wurde heimlich außer Landes gebracht und mit der Urhebernennung „Prague Photographer“ versehen – durch die Fotoagentur Magnum 1969 weltweit vertrieben und unter dieser anonymen Bezeichnung 1969 mit dem Robert Capa Award ausgezeichnet. Erst 1990 wurden diese Fotos in der Tschechoslowakei veröffentlicht.[2]

Petra Mayrhofer


[1] Zit. „Lidová demokracie“, 5. Sonderausgabe, 24. August 1968 nach Koudelka, Josef. 2008. Invasion Prag 68. München: Schirmer/Mosel, S. 185.

[2] Siehe den Bildband von Koudelka, Josef. 2008. Invasion Prag 68. München: Schirmer/Mosel.


Zitierempfehlung: Mayrhofer, Petra, „Anonyme Stadt“. Bildanalysetext zur Abbildung 11 der Ikone „Protestbewegungen im Osten“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009,
URL: www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/protestbewegungen-im-osten/abb11-anonyme-stadt.html

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