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Abb. 1: Demonstration Polnischer Studenten

Demonstration Polnischer Studenten, Warschau, März 1968
© AP / Tadeusz Zagozdzinski

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In ganz Polen kam es im März 1968 zu Studentenprotesten, diese „Märzereignisse“ hatten das Verbot des Theaterstücks „Die Totenfeier“ des polnischen Dichters Adam Mickiewicz im Jänner 1968 zum Ausgangspunkt. Dazu richtete sich der Protest der Studierenden – wie auf diesem Foto in Warschau, das die StudentInnen flüchtend vor der Polizei in der Nähe der Warschauer Universität zeigt gegen diese Zensur und die Nichtbeachtung von Bürgerrechten, im Speziellen gegen die Verhaftung der Anführer der Proteste, Adam Michnik und Henrik Szlajfer. Michnik und Szlajfer hatten im Januar dem Le Monde-Korrespondenten in Warschau von Studentenprotesten und dem Parteiaustritt von UniversitätsprofessorInnen erzählt, ein Artikel wurde in Le Monde publiziert.[1]

Die Reaktion der kommunistischen Parteiführung auf die „Märzereignisse“ bestanden neben Niederschlagung der Protestbewegung und Verhaftungen vor allem in einer antisemitischen Kampagne, in deren Folge es zu einer großen Emigrationswelle polnischer Juden und Jüdinnen kam. Im Jahr 2008 nahm der 40. Jahrestag des März 1968 einen Platz in der nationalen Erinnerungskultur ein, nicht zuletzt, da dieser auf das Bild eines leidenden, heroischen Polens in seinem Kampf für Freiheit und Würde verweist.[2]

Trotz der Parole „Rome, Berlin, Varsovie, Paris!“ („Rom, Berlin, Warschau, Paris!“) der französischen Studierenden, welche die Verbundenheit der Protestbewegungen des Jahres 1968 ausdrückt, wurde nicht zuletzt den ProtagonistInnen selbst deutlich – wie beispielsweise ein Treffen zwischen den Studentenführern Daniel Cohn-Bendit, Rudi Dutschke, Adam Michnik und Milan Horáchek in Italien zeigte dass angesichts der unterschiedlichen politischen Systeme die inhaltlichen Absichten dieser Protestbewegungen der 1960er-Jahre differierten: Im Gegensatz zu den Zielen der Studierenden im Westen standen „antitotalitäre und antisowjetische Bewegungen“[3] im Osten im Zeichen des Kampfes für demokratische Rechte und „gegen die blockierte Gesellschaft“[4].

Petra Mayrhofer


[1] https://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/printressorts/digi-artikel/?ressort=sp&dig=2008%2F04%2F19%2Fa0076&cHash=a6e9eeb3bd (23.04.2009)

[2] Smolar, Aleksander. 2008. „1968 – Zwischen März und Mai.“ In Transit. Europäische Revue 35/Sommer 2008: S. 142154, hier S. 149f.

[3] Bispinck, Hernik/Danyel, Jürgen/Hertle, Hans-Herrmann/Wentker, Hermann. 2004. „Krisen und Aufstände im realen Sozialismus.“ In Aufstände im Ostblock. Zur Krisengeschichte des realen Sozialismus, hg. v. Hernik Bispinck, Jürgen Danyel, Hans-Herrmann Hertle und Hermann Wentker, S. 9–23. Berlin: Christoph Links Verlag, hier S. 9.

[4] zit. Adam Michnik in: Dienstbier, Jiri/Grusa, Jiri u.a. O.J. Von ‘68 nach ‘89. Jiri Dienstbier, Jiri Grusa, Lionel Jospin, Adam Michnik, Oskar Negt und Friedrich Schorlemmer im Gespräch. Zugriff auf www.eurozine.com (23.04.2009), S. 3.


Zitierempfehlung: Mayrhofer, Petra, Demonstration Polnischer Studenten. Bildanalysetext zur Abbildung 1 der Ikone „Protestbewegungen im Osten“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009,
URL: www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/protestbewegungen-im-osten/abb1-demonstration-polnischer-studenten.html

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