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Abb. 2: Gemälde zur Öffnung der Berliner Mauer, 1996/97

Gemälde zur Öffnung der Berliner Mauer, Berlin, 1996/1997
© akg-images  / Matthias Koeppel "Die Öffnung der Berliner Mauer", 1996/97 / © VBK, Wien, 2008

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Die Nacht vom 9. auf den 10. November ist als „Mauerfall“ in die europäische Geschichte eingegangen. Fotografien von Menschenmassen auf der Mauer vor dem Brandenburger Tor waren in der zeitgenössischen Presse dominant, wenn es darum ging, das Ereignis darzustellen.[1] Die Malerei ist in aller Regel ein etwas langsameres Bildmedium: Matthias Koeppels hier gezeigtes Werk stammt aus den Jahren 1996/1997. Es handelt sich um den Mitteilteil eines monumentalen Triptychons (d.h. eines dreiteiligen Bildes) mit dem Titel „Die Öffnung der Berliner Mauer“.[2] Das Gemälde ist für den Preußischen Landtag, den Sitz des Berliner Abgeordnetenhauses, entstanden. Es nimmt die Presseikonografie des November 1989 (Abb.1) auf: Auch hier thront das von Westen aus gesehene Brandenburger Tor wie eine Trutzburg über der Szenerie und zahlreiche Menschen haben die massive Mauer davor erstürmt. Geradezu verzweifelt versuchen einige Personen mit ihren Leitern auf den Grenzwall zu gelangen, als handle es sich um eine rettende Arche Noah, die es noch rechtzeitig zu besetzen gelte. Dräuende Wolken stehen symbolisch für die Schicksalsschwere der gerade ablaufenden Geschehnisse. Im Vordergrund des Gemäldes ist der „Mauerfall“ als Medienereignis mit einigen der damaligen ProtagonistInnen charakterisiert, u.a. scheint Bundeskanzler Helmut Kohl ein Interview zu geben. Etwas weiter liegt eine Zeitung unbeachtet auf dem Boden, vielleicht ein Indiz für die Dominanz der bewegten Bilder in der damaligen Berichterstattung [Link zu Aufsatz Ramón]. Das Gemälde enthält viele solcher Details, die sich erst bei genauerer Betrachtung erschließen: Rechts klopft beispielsweise ein „Mauerspecht“ ein Loch in den Grenzwall (Abb.9). Der Urheber des Gemäldes, Matthias Koeppel, ist der ehemals geteilten Stadt Berlin schon lange und intensiv durch seine Arbeit verbunden (www.matthiaskoeppel.de). Beispielsweise wurde er 1979 bei einem Wettbewerb des Museums „Haus am Checkpoint Charlie“ mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Der Titel seines damaligen Werks lautete: „Die Niederreißung der Berliner Mauer“.[3]

Benjamin Drechsel


[1] Vgl. Janzing, Godehard. 2008. „Der Fall der Mauer. Bilder von Freiheit und/oder Einheit.“ In Das Jahrhundert der Bilder. Band 1: 1949 bis heute, hg. v. Gerhard Paul, S. 574–581. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.
[2] Der linke Teil zeigt eine Menschenmasse und Autos an einem geöffneten Grenzübergang, der rechte die Entfernung eines Segments der vierten Mauergeneration.
[3] Vgl. den Katalog, hg. v. Haus am Checkpoint Charlie. 1980. Wo Weltgeschichte sich manifestiert. Ein Wettbewerb: 71 Entwürfe zur Bemalung einer Hauswand am Checkpoint Charlie in Berlin (= Where World History Is Relived In All Its Impact. A Competition: Drafts For A Mural Painting On A House Wall At Checkpoint Charlie In Berlin). Berlin: Haus am Checkpoint Charlie.

 


Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin, Gemälde zur Öffnung der Berliner Mauer. Bildanalysetext zur Abbildung 2 der Ikone Mauerfall“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009,
URL: www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/mauerfall/abb2-gemaelde-die-oeffnung-der-berliner-mauer-199697.html

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