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Abbildung 5: Schemazeichnung Berliner Grenzlandschaft vor 1975

Schemazeichnung Berliner Grenzlandschaft vor 1975
© Axel Klausmeier/Leo Schmidt

Trotz aller gegenteiligen DDR-Propaganda vom vermeintlichen „antifaschistischen Schutzwall“, der sich angeblich gen Westen richtete: Das Grenzregime der SED an der innerdeutschen Grenze und in Berlin war stets und in erster Linie gegen die Abwanderung der eigenen Bevölkerung gerichtet.[1] Insofern ist auch die gebräuchliche Bezeichnung „Vorderes Sperrelement“ für die westliche Mauer des Grenzsystems (Abb.3, Abb.4)  irreführend. Faktisch handelte es sich lediglich um das letzte (also hintere) einer ganzen Reihe von Hindernissen, durch welche die Grenzlandschaft von Osten aus gestaffelt war. Hier ist diese horizontale Auffächerung auf einer Schemaskizze zu sehen, die sich auf die Zeit vor 1975 bezieht. Zu erkennen ist hier, dass der durchschnittlich etwa 50 Meter breite Todesstreifen mit seinen Wachtürmen, Patrouillenwegen und Lichtanlagen sowie weiteren Sperrmaßnahmen nach einigen Jahren auch im Osten durch einen Hinterlandzaun bzw. durch eine Hinterlandmauer begrenzt wurde. Die Zeichnung lässt bewusst offen, um welche der beiden Formen der Grenzarchitektur es sich hier (ganz rechts im Bild) handelt, weil beide dort vorkamen.[2] Im Übrigen gab es auf östlicher Seite vor den hier schematisch dargestellten Grenzanlagen eine durch rot-weiße Pfosten und Geländer sowie Hinweisschilder markierte Zone mit Vorfeldsicherungen, die nicht betreten werden durfte. Ausgerechnet für die Menschen, die mit ihrer Hilfe eingesperrt wurden, waren Mauer und Todesstreifen also häufig unsichtbar. Erinnerungskulturell wirkt sich das bis heute in ganz Europa aus, denn als zentrales Symbol des SED-Grenzregimes fungiert jenes Sperrelement, das zumindest im Westen öffentlich sichtbar war: „die“ Mauer, also die hier in Form der sogenannten „dritten Generation“ eingetragene westliche Fassade (ganz links).

Benjamin Drechsel


[1] Zur visuellen DDR-Mauerpropaganda siehe Demke, Elena. 2004. „Mauerfotos in der DDR. Inszenierungen, Tabus, Kontexte.“ In Die DDR im Bild. Zum Gebrauch der Fotografie im anderen deutschen Staat, hg. v. Karin Hartewig und Alf Lüdtke, S. 89–106. Göttingen. Allgemeinere Anmerkungen zur DDR-Ikonografie bei Wolle, Stefan. 1997. „Die Diktatur der schönen Bilder. Zur politischen Ikonographie der SED-Diktatur.“ In Deutsche Fotografie. Macht eines Mediums 1870–1970, hg. v. Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, S. 174–185. Bonn: Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland.
[2] So die Auskunft der Autoren, in deren Publikation das Bild erschienen ist: Vgl. Klausmeier, Axel/Schmidt, Leo. 2005. Mauerreste – Mauerspuren. Der umfassende Führer zur Berliner Mauer. Berlin: Westkreuz (2. Auflage), S. 24.


Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin, Schemazeichnung Berliner Grenzlandschaft vor 1975. Bildanalysetext zur Abbildung 5 der Ikone „Mauerbau“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009,
URL: www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/mauerbau/abb5-schemazeichnung-berliner-grenzlandschaft.html

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