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Abb. 4: Installation an der Mauer

Installation an der Mauer, Berlin 1985
© akg-images / Hans W. Mende

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Den oberen Abschluss der ersten Mauergeneration bildeten eiserne Ständer mit darin gespanntem Stacheldraht (Abb.3) . In der Folge wurde das sogenannte Vordere Sperrelement, d.h. die Mauer, die den Ost-Berliner Grenzstreifen nach Westen hin abschloss, zunehmend visuell entschärft. [1] So bestand die vierte und letzte Generation der Mauer, die ab Mitte der 1970er-Jahre zum Einsatz kam und hier auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1985 abgebildet ist, aus Fertigelementen, welche sich zu einer glatten Stahlbetonwand zusammenfügten: Stacheldraht war vom Westen aus also nicht mehr zu sehen. [2] Nach oben schloss ein aufgelegtes Rohr die Segmente ab und verband sie miteinander. Es sollte Flüchtlingen ein Festhalten beim Überklettern unmöglich machen. Insgesamt hatten die Sperren übrigens eine Gesamtlänge von gut 150 Kilometern, wobei die innerstädtische Grenze über 40 Kilometer lang war. Dabei entwickelten sich die Sperranlagen ständig weiter: Der Ring um West-Berlin war mithin nicht statisch angelegt, sondern wurde immer wieder perfektioniert. [3] Allerdings überarbeiteten während der 1980er-Jahre auch westliche AkteurInnen die Mauer in einem endlosen Prozess: Zahllose Graffiti bedeckten die Sperrelemente und verwandelten sie in eine Art riesiger Leinwand aus Beton.[4] Auf der hier gezeigten Fotografie von Hans W. Mende wird die Mauer gar zur Kulisse einer kleinen Installation: Die Schulbank samt Duden verweist ebenso wie der Schriftzug „Deutschstunde“ mit ironischem Gestus auf die Notwendigkeit zur Selbstreflexion der deutschen Nation. Letztere war zu diesem Zeitpunkt weiterhin in zwei Staaten gespalten und die Berliner Mauer blieb das zentrale Symbol dafür.

Benjamin Drechsel


[1] Darauf verweist bereits Galante, Pierre. 1967. Ein Franzose an der Mauer. Stuttgart: Seewald (frz. Original), S. 225.

[2] Zu den verschiedenen Mauergenerationen vgl. z.B. Feversham, Polly/Schmidt, Leo. 1999. Die Berliner Mauer heute. Denkmalwert und Umgang (= The Berlin Wall Today. Cultural Significance and Conservation Issues). Berlin: Bauwesen.

[3] Zu den heutigen Überresten vgl. Sälter, Gerhard. 2007. Mauerreste in Berlin. Der Abbau der Berliner Mauer und noch sichtbare Reste in der Berliner Innenstadt (= Relicts of the Berlin Wall. The Dismantling of the Berlin Wall and the Visible Remains in the Berlin City Center). Berlin: Verein Berliner Mauer (2. Auflage); Klausmeier, Axel/Schmidt, Leo. 2005. Mauerreste – Mauerspuren. Der umfassende Führer zur Berliner Mauer. Berlin: Westkreuz (2. Auflage).

[4] Eine ausführliche Dokumentation bietet Gründer, Ralf. 2007. Verboten: Berliner Mauerkunst. Wien: Böhlau.


Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin, Installation an der Mauer. Bildanalysetext zur Abbildung 4 der Ikone „Mauerbau“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009,
URL: www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/mauerbau/abb3-installation-an-der-mauer.html


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