Abb. 2: Berlinkarte mit Sektorengrenzen

Berlinkarte mit Sektorengrenzen, 1945-1990
© Frankfurter Rundschau-Infografik

Als die innerdeutsche Grenze (vgl. Abb.1) schon weitgehend dicht war, blieb an den Übergängen der Sektorengrenzen zwischen Ost-Berlin und West-Berlin die Ausreise aus der SED-Diktatur noch bis zum Sommer 1961 möglich.[1] Diese Berliner Sondersituation erklärte sich aus dem Viermächtestatus der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Siegermächte Sowjetunion, USA, Großbritannien und Frankreich hatten die Stadt unter sich aufgeteilt und zunächst gemeinsam verwaltet. Dazu diente eine interalliierte Behörde, die sogenannte Kommandantur. Die Grenzlinie zwischen den drei Westsektoren und dem sowjetischen Sektor, die unsere Abbildung zeigt, verdichtete sich jedoch ab den späten 1940er-Jahren zunehmend zur politischen Systemgrenze des Kalten Krieges (u.a. stellte die Sowjetunion ihre Mitarbeit in der Kommandantur ein). Die Infografik der „Frankfurter Rundschau“ wurde im Jahr 2005 zu einem Text mit dem Titel „Berlin als Fronstadt“ online publiziert. Sie kann als visuelle Stellungnahme zur Aufspaltung Berlins interpretiert werden: Rechts oben findet sich zusätzlich zur Stadtkarte nämlich auch das Wappentier, der Bär. Während die faktische stadträumliche Vierteilung mittels Grenzlinien und Farben markiert ist, bleibt der Körper des Tiers unversehrt. Da er symbolisch für Berlin steht, ist damit angedeutet, dass der Stadtkörper durch die Alliierten nur gewaltsam geteilt werden konnte. Genau das geschah allerdings auch: 1961 wurde um West-Berlin die berüchtigte Mauer errichtet. Die Entstehung dieser Herrschaftsarchitektur ist historisch kaum ohne den Rückbezug auf den Zweiten Weltkrieg zu erklären. Denn erst die daran anschließende Konfliktkonstellation des „Kalten Krieges“ führte zur Teilung Europas während nahezu der gesamten zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Berlin war in diesem Zusammenhang lediglich ein Brennpunkt des Konflikts – wenn auch ein besonders dauerhaft und heftig umstrittener.[2] Bereits 1948/49 war anlässlich der Währungsreform eine sowjetische Blockade des Westteils der Stadt erfolgt, welche die Westmächte jedoch durch eine Luftbrücke überwanden. Zehn Jahre später, im November 1958, forderte der sowjetische Staats- und Parteichef Nikita S. Chruschtschow ultimativ, West-Berlin in eine entmilitarisierte „Freie Stadt“ zu verwandeln. Er wollte der DDR dabei auch die Kontrolle über die Zugangswege verschaffen, scheiterte aber mit seinem Ultimatum. Stattdessen war die Zahl der Flüchtlinge 1961 sehr hoch.[3] So fand diese zweite Berlin-Krise schließlich ihren Höhepunkt mit dem Bau der Berliner Mauer ab 13. August 1961.

Benjamin Drechsel


[1] Zur innerdeutschen Grenze vgl. Lapp, Peter J./Ritter, Jürgen. 2001. Die Grenze. Ein deutsches Bauwerk. Berlin: Links (4. Auflage).

[2] Vgl. etwa Dülffer, Jost. 2004. Europa im Ost-West-Konflikt 1945–1990. München: Oldenbourg; Gaddis, John L.. 2007. The Cold War. London: Penguin.

[3] Vgl. etwa Major, Patrick. 2002. „Innenpolitische Aspekte der zweiten Berlinkrise (1958–1961).“ In Mauerbau und Mauerfall. Ursachen – Verlauf – Auswirkungen, hg. v. Hans-Hermann Hertle, H. Konrad Jarausch und  Christoph Kleßmann, S. 97–110. Berlin: Links


Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin, Berlinkarte mit Sektorengrenzen. Bildanalysetext zur Abbildung 2 der Ikone „Mauerbau“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009,
URL: www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/mauerbau/abb2-berlin-mit-sektorengrenzen.html

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