Abb. 1: Schemazeichnung innerdeutsche Grenze

Schemazeichnung innerdeutsche Grenze, 1984
© Bundespolizei (D)

Hier ist die innerdeutsche Grenze auf einer schematischen Darstellung des Bundesgrenzschutzes zu sehen. Die Handzeichnung mit erklärender Legende stammt aus dem Jahr 1984. Karten dieser Art waren nicht politisch neutral, sondern wurden teilweise in Informationsmaterialien des Grenzschutzes verwendet.[1] Zu erkennen sind die ausgefeilten Absperrmaßnahmen der DDR, die bereits ab den 1950er-Jahren ein Grenzsystem an der ca. 1.400 Kilometer langen Demarkationslinie zur Bundesrepublik Deutschland unterhielt, um den Flüchtlingsstrom in Richtung Westen abzufangen. Auf östlicher Seite wurde eine fünf Kilometer breite Sperrzone ausgewiesen, in der die Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt war; der einige Meter breite Kontrollstreifen direkt an der Grenze durfte von ZivilistInnen nicht betreten werden. Während die innerdeutsche Grenze (als Teil des innereuropäischen Eisernen Vorhangs) also zumindest in Teilen schon früh abgeriegelt war, blieb West-Berlin ein Ärgernis für das SED-Regime. Denn an den Sektorengrenzen war die Ausreise aus der Diktatur noch möglich. So konzentrierte sich der Flüchtlingsstrom zunehmend auf Berlin.[2] Dieses „Schlupfloch“ wurde dann mit dem Mauerbau ab dem 13. August 1961 geschlossen.[3] In diesem Zusammenhang ließ das SED-Regime auch die innerdeutsche Grenze weiter verstärken: Solche Veränderungen kamen immer wieder vor. Grenzschemata wurden im Übrigen auch seitens der DDR angefertigt. Solche Bilder müssen aber nicht zwangsläufig die Realität vor Ort dokumentieren, sondern sind häufig im Rahmen von Planungsprozessen entstanden, die dann wiederum nicht immer in der skizzierten Form umgesetzt wurden.

Benjamin Drechsel


[1] Vgl. die sehr ähnliche Abbildung in Lapp, Peter J./Ritter, Jürgen. 2001. Die Grenze. Ein deutsches Bauwerk. Berlin: Links (4. Auflage).S. 119.

[2] Vgl. etwa Major, Patrick. 2002. „Innenpolitische Aspekte der zweiten Berlinkrise (1958–1961).“ In Mauerbau und Mauerfall. Ursachen – Verlauf – Auswirkungen, hg. v. Hans-Hermann Hertle, H. Konrad Jarausch und Christoph Kleßmann, S. 97–110. Berlin: Links

[3] Als Kurzüberblicke vgl. etwa Holzweißig, Gunter. 2004. „Grenzregime und Mauerbau.“ In Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, hg. v. Annette Kaminsky, S. 507–511. Leipzig: Forum; Bollin, Christina/Fischer-Bollin, Peter. 1999. „Mauer.“ In Handbuch zur deutschen Einheit 1949–1989–1999, hg. v. Karl-Rudolf Korte und Werner Weidenfeld, S. 547–559. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.


Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin, Schemazeichnung innerdeutsche Grenze. Bildanalysetext zur Abbildung 1 der Ikone „Mauerbau“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009,
URL: www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/mauerbau/abb1-schemazeichnung-innerdeutsche-grenze.html

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