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Abb. 6: Familie mit Judenstern

Familie mit Judenstern, Berlin 1941
© Süddeutsche Zeitung Photo / Scherl

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Der Judenstern als visuelle Erniedrigung von Jüdinnen und Juden im öffentlichen Raum setzte sie einer offenen Drangsalierung und permanenten Demütigung aus[1] und kann als „… letztes Glied in der Kette von Brandmarkungen, die Juden im Dritten Reich zu erdulden hatten“[2], gewertet werden. Die Anordnung zur Kennzeichnung aller über sechsjährigen Juden und Jüdinnen mit einem sechszackigen Stern im nationalsozialistischen Deutschland fand 1941 nur wenige Wochen vor den ersten Deportationen in die Vernichtungslager statt. In der nationalsozialistischen Propaganda wurden die TrägerInnen des Judensterns als Feinde des deutschen Volkes diffamiert.[3] Die Erniedrigung wird durch die Verwendung des Hexagramms des Davidsterns, der das nationale und religiöse Symbol des Judentums darstellt, zusätzlich unterstrichen.[4]

In den besetzten polnischen Gebieten mussten jüdische BürgerInnen bereits ab Dezember 1939 eine weiße Armbinde mit einem Davistern in blauer Farbe tragen[5], in Frankreich, Deutschland, Belgien, Holland, der Slowakei, Polen, Ungarn, Griechenland, Litauen, Lettland, Bulgarien und Rumänien war der Judenstern gelb und bestand aus dem Hexagramm des Davidsterns; dieser war in Frankreich, Deutschland, Holland und der Slowakei mit der Aufschrift „Jude“ in der jeweiligen Landessprache versehen, in Belgien mit einem „J“ als Abkürzung für juif.[6]

Diese Ikonographie findet sich nach 1945 als visueller Marker und Symbol für die Verfolgung und Vernichtung der Jüdinnen und Juden in Europa, nicht zuletzt trägt der erste und einzige Bildband in Westdeutschland, der ausschließlich der Verfolgung der und dem Mord an den Juden und Jüdinnen gewidmet ist, den Titel Der gelbe Stern.[7]

Petra Mayrhofer


[1] Vgl. Asmuss, Burkhard, Hg. 2002. Holocaust. Der nationalsozialistische Völkermord und die Motive seiner Erinnerung. Katalog zur Ausstellung. Berlin: Deutsches Historisches Museum, S. 165.

[2] http://www.shoa.de/content/view/52/210/ (03.09.2008)

[3] Vgl. Anzeige „ Wer dieses Zeichen trägt, ist ein Feind unseres Volkes“, NSDAP-Parole der Zeitung „Woche“ 27/1942, Flugschrift „Wenn du dieses Zeichen siehst“, 1941

[4] http://www.shoa.de/content/view/52/210/ (03.09.2008)

[5] Vgl. Asmuss, Burkhard, Hg. 2002. Holocaust. Der nationalsozialistische Völkermord und die Motive seiner Erinnerung. Katalog zur Ausstellung. Berlin: Deutsches Historisches Museum, S. 137,

[6] http://www.shoa.de/content/view/52/210/ (03.09.2008)

[7] Vgl. Schoenberner, Gerhard. 1991. Der gelbe Stern: Die Judenvernichtung in Europa 1933–1945. Frankfurt/Main: Fischer (Erweiterte Neuausgabe).


Zitierempfehlung: Mayrhofer, Petra, Familie mit Judenstern. Bildanalysetext zur Abbildung 6 der Ikone „Ikonen der Verfolgung“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009,
URL: http://www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/ikonen-der-verfolgung/abb6-familie-mit-judenstern.html

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