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Abb. 5: Zerstörtes jüdisches Geschäft

Zerstörtes jüdisches Geschäft, Berlin 10. November 1938
© Photo / picturedesk.com / Süddeutsche Zeitung

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Die Fotografie dieses geplünderten und zerstörten Geschäfts in Berlin am 10. November 1938, dem Morgen nach dem Novemberprogrom, wurde nach 1945 in Publikationen wie unter anderem den Bildbänden Pictorial History of the Holocaust der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem und dem Ausstellungskatalog Augenblicke des Jahrhunderts. Meisterwerke der Reportagefotografie von Associated Press[1] im Sinne eines „anklagenden und aufrüttelnden Bildmaterials“ und als „hilfloser Ersatz des Nichtvisualisierbaren“ verwendet.[2]

Fotografien von der Zerstörung von Schaufenstern jüdischer Geschäfte sowie der Synagogen (Abb.3Abb.4) während des Novemberpogroms am 9. November 1938 haben in die Visual Memory Eingang gefunden. Ein Rechercheprojekt der Stiftung Topografie des Terrors in Berlin bezüglich des Bildbestands in den kommunalen und regionalen Archiven Deutschlands ergab, dass ein gutes Drittel aller Bildmotive zum nationalsozialistischen Terror die Aktionen während des Novemberpogroms visualisieren. Angesichts ihrer schlechten Qualität liegt der Schluss nahe, dass es sich um Fotografien von Amateurfotografen handelt.[3] Über den Novemberpogrom wurde 1938 zeitgleich in den internationalen Medien ausführlich berichtet.[4] Bilder der organisierten Sachbeschädigung wie Schaufensterzerstörungen und Ladenplünderungen am Morgen nach der Pogromnacht (Abb.5) wurden im Deutschen Reich nicht publiziert, fanden aber nach 1945 eine oftmalige Reproduktion.[5]

Petra Mayrhofer


[1] Vgl. Arad, Yitzhak, Hg. 1990. The Pictorial History of the Holocaust. Yad Vashem. The Holocaust Martyrs’ and Heroes’ Remembrance Authority. Jerusalem: Machmillan, S. 56. Grewing, Meinrad Maria. 1999. Augenblicke des Jahrhunderts. Meisterwerke der Reportagefotografie von Associated Press, hg. v. (u.a.). Ostfildern-Ruit: Cantz, S 64.

[2] Knoch, Habbo. 2001. Die Tat als Bild. Fotografien des Holocaust in der deutschen Erinnerungskultur. Hamburg: Hamburger Edition, S. 103.

[3] Vgl. Springer, Philipp. 2002. „Auf Straßen und Plätzen. Zur Fotogeschichte des nationalsozialistischen Deutschland.“ In Vor aller Augen. Fotodokumente des nationalsozialistischen Terrors in der Provinz, hg. v. Philipp Springer und Klaus Hesse, S. 11–37. Essen: Klartext Verlag, hier S. 2.

[4] Vgl. beispielhaft für den angloamerikanischen Raum die Darstellungen bei Gilbert, Martin. 2006. Kristallnacht. Prelude to Destruction. London: HarperPress.

[5] Vgl. Sachsse, Rolf. 2003. Die Erziehung zum Wegsehen. Fotografie im NS-Staat. Dresden: Philo Fine Arts, S. 167.


Zitierempfehlung: Mayrhofer, Petra, Zerstörtes jüdisches Geschäft. Bildanalysetext zur Abbildung 5 der Ikone „Ikonen der Verfolgung“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009,
URL: http://www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/ikonen-der-verfolgung/abb5-zerstoertes-geschaeft.html

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