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Abb. 10: Anne Frank

Anne Frank, Portraitaufnahme um 1940
Quelle: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz

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Fotografien von Anne Frank als eine „erste Ikone der Shoah“, die durch die Dramatisierung ihres Tagebuchs als Märtyrerlegende gewertet werden kann und dadurch weltweites Identifikationsobjekt werden konnte[1], wurden vielfach reproduziert, eines der bekanntesten Porträtfotos zeigt sie mit gekreuzten Armen vor einem Schreibheft, welches implizit auf das Tagebuch verweist.[2] Das Foto zeigt zum einen das Porträt der realen Person, wirkt aber gleichzeitig als „Fiktion, die hinter der Wirklichkeit verschwindet.“[3] Durch zahlreiche internationale Verfilmungen, Theaterstücke und Gedenkveranstaltungen wurde die Geschichte von Anne Frank bereits ab den 1950er-Jahren zu einem massenkulturellen Ereignis.[4] Im Kontext der 1950er- und 1960er-Jahre sieht Habbo Knoch als Grundlage für die internationale Ikonisierung Anne Franks in Westdeutschland ein „Bedürfnis nach emotionalen bis sentimentalen Annäherungen an das NS-Verbrechen statt der realistischen Konfrontation mit Schreckensbildern“[5]. Das Bild Franks als unschuldiges, moralisch integres und körperlich unversehrtes Opfer[6] wirkt damit als Gegenbild zu den Bildern der Leichenberge, den „Ikonen der Vernichtung“ (Cornelia Brink).

Petra Mayrhofer


[1] Loewy, Hanno. 2002. „Faustische Täter? Tragische narrative und Historiografie.“ In Die Täter der Shoah. Fanatische Nationalsozialisten oder ganz normale Deutsche?, hg. v. Gerhard Paul, S. 255–265. Göttingen:Wallstein Verlag, hier S. 256.

[2] Tops, Ellen. 2004. „Niederlande. Lebendige Vergangenheit.“ In Mythen der Nationen. 1945 – Arena der Erinnerungen. Band 2, hg. v. Monika Flacke, S. 427–444. Mainz, hier S. 439.

[3] Tops, Ellen. 2004. „Niederlande. Lebendige Vergangenheit.“ In Mythen der Nationen. 1945 – Arena der Erinnerungen. Band 2, hg. v. Monika Flacke, S. 427–444. Mainz, hier S. 439.

[4] Vgl. Knoch, Habbo. 2001. Die Tat als Bild. Fotografien des Holocaust in der deutschen Erinnerungskultur. Hamburg: Hamburger Edition, S. 499.

[5] Knoch, Habbo. 2001. Die Tat als Bild. Fotografien des Holocaust in der deutschen Erinnerungskultur. Hamburg: Hamburger Edition, S. 500.

[6] Knoch, Habbo. 2001. Die Tat als Bild. Fotografien des Holocaust in der deutschen Erinnerungskultur. Hamburg: Hamburger Edition, S. 925f.


Zitierempfehlung: Mayrhofer, Petra, Anne Frank. Bildanalysetext zur Abbildung 10 der Ikone „Ikonen der Verfolgung“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009,
URL: http://www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/ikonen-der-verfolgung/abb10-anne-frank.html

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