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Abb. 6: „boat people“

„boat people“ vor Gibraltar
© epa / picturedesk.com / Carlos Fernandez

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Dem Symbol des rettenden Bootes kommt folgende Bildwirkung zu: Bei der Darstellung der MigrantInnen wirkt das Boot als ein zentrales rettendes Vehikel, um die Festung Europa auf dem Seeweg zu erreichen. Auf der visuellen Ebene sind die Versuche, in den EU-Raum zu gelangen, nicht nur mit den Bildern von Ceuta und Melilla, sondern vor allem mit Boatpeople, also vorwiegend Menschen in Flüchtlingsbooten, verbunden. Schlepper, viele davon ehemalige Fischer, die von der Fischerei nicht mehr leben können, vermitteln die Plätze auf den Flüchtlingsbooten bei einem Fahrpreis von 2000 bis 3000 Euro.[1] Der Topos der Boatpeople wurde in Fotografien erstmals anhand von vietnamesischen Bootsflüchtlingen im Zuge des Vietnam-Krieges Anfang der 1970er-Jahre in Europa visualisiert. Im Kontext mit der „Festung Europa“ sind die dazugehörigen Bilderwelten von zumeist dunkelhäutigen Menschengruppen in kleinen Booten konnotiert, welche vom afrikanischen Kontinent aus versuchen, in den EU-Raum, vornehmlich auf die vorgelagerten Inseln Spaniens (Balearen, Kanaren), Italiens (Lampedusa, Sizilien), Griechenlands, nach Zypern und Malta, zu gelangen. Die Bergung von toten und sterbenden Insassen eines vollen Flüchtlingsbootes im Oktober 2003, das an die Küste Lampedusas getrieben worden war, wurde live im Fernsehen übertragen.[2] Die gefahrvolle Überfahrt hat Schätzungen zufolge seit 1993 bereits 9000 Bootsflüchtlingen das Leben gekostet, rund 50.000 Bootsflüchtlinge werden pro Jahr an den EU-Außengrenzen aufgegriffen.[3] Das Mittelmeer fungiert damit als gefährlicher Wassergraben am Fuße der „Festung Europa.“

Petra Mayrhofer


[1] Millborn, Corinna. 2006. Gestürmte Festung Europa. Einwanderung zwischen Stacheldraht und Ghetto. Das Schwarzbuch. Wien/Graz/Klagenfurt: Styria, S. 49.

[2] Millborn, Corinna. 2006. Gestürmte Festung Europa. Einwanderung zwischen Stacheldraht und Ghetto. Das Schwarzbuch. Wien/Graz/Klagenfurt: Styria, S. 55.

[3] Brickner, Irene. 2008. „Europa, lieber allein zu Haus.“ In Der Standard Album vom 16. August: S. A1.

 


Zitierempfehlung: Mayrhofer, Petra, "boat people". Bildanalysetext zur Abbildung 6 der Ikone „Festung Europa“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009, URL: http://www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/festung-europa/abb6-boat-people.html

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