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Abb. 3: „Sicherheitszäune“ um die spanische Exklave Mellila

„Sicherheitszäune“ um die spanische Exklave Mellila auf afrikanischem Festland 2005
© epa/picturedesk.com/Alberto Estevez

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Seit Mitte der 1990er-Jahre wird die Metapher „Festung Europa“ verstärkt in Debatten um Zuwanderung von Nicht-EU-BürgerInnen und eine gemeinsame EU-europäische Asyl- und Sicherheitspolitik verwendet. Zentrales Bildmotiv dazu sind die Grenzanlagen um die spanischen Exklaven Melilla und Ceuta, die einzigen Landgrenzen der EU auf dem afrikanischen Kontinent. In Ceuta wurde 1993 mit dem Bau begonnen, in Melilla 1996. Die Grenzanlage in Ceuta besteht aus zwei Zaunreihen in der Höhe von sechs Metern, Richtmikrophonen, Kontrolltürmen, Wärmekameras und automatisierten Tränengasanlagen, alle 40 Meter sind Scheinwerfer postiert, die nach Marokko leuchten.[1] Nachdem der spanische Grenzschutz im Sommer 2002 das radargestützte Grenzüberwachungssystem SIVE (Integriertes System zur Außenüberwachung) an den Küstenstreifen Andalusiens und der Kanarischen Inseln installierte, versuchen mehr Menschen auf das EU-Territorium in Ceuta und Melilla zu gelangen, um Anspruch auf Asyl erhalten zu können.[2] Im September und Oktober 2005 versuchten Flüchtlinge mit selbst hergestellten Leitern, über die Grenzzäune zu gelangen,[3] Infrarotbilder des Überwindens dieser Zäune fungieren für das Bildmedium Fernsehen als „Realsymbol“[4] (Filmsequenz A) .

Im Gegensatz zu den Bewegtbildern repräsentieren Fotos das statische, ästhetisierte Motiv der doppelten Reihe von Zäunen mit ihrer Stacheldrahtauflage, der sogenannten „Sicherheitszäune“, mit patrouillierenden Grenzsoldaten davor. Nicht nur TV- und Printmedien, sondern auch die Ikonographien zivilgesellschaftlicher Bewegungen referieren auf diese „Sicherheitszäune“, im Speziellen auf die Stacheldrahtauflage, die beispielsweise als zentraler Eye-Catcher der Homepage www.no-fortress-europe.eu dient. Bis zur Errichtung der sogenannten Sicherheitszäune von Ceuta und Melilla wurden die Schengen-Außengrenzen nicht mit solchen Grenzanlagen gesichert, damit diese visuell nicht an die Grenzsicherungsmaßnahmen des Warschauer Paktes oder an die Berliner Mauer erinnern könnten.[5] Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Befestigungen von Ceuta und Melilla mit ihrem inhärenten Bollwerksgedanken mitunter als neuer „Eiserner Vorhang“ betitelt werden.[6]

Petra Mayrhofer


[1] Millborn, Corinna. 2006. Gestürmte Festung Europa. Einwanderung zwischen Stacheldraht und Ghetto. Das Schwarzbuch. Wien/Graz/Klagenfurt: Styria, S. 9 u. 15.

[2] Vgl. www.guardiacivil.org, www.migration-info.de/migration_und_bevoelkerung/artikel/031005.htm (letzter Zugriff 06.10.2008); Millborn, Corinna. 2006. Gestürmte Festung Europa. Einwanderung zwischen Stacheldraht und Ghetto. Das Schwarzbuch. Wien/Graz/Klagenfurt: Styria, S. 15.

[3] Vgl. Welzer, Harald 2008. Klimakriege. Wofür im 21. Jahrhundert getötet wird. Frankfurt: S. Fischer, S.182f.

[4] Thiele, Matthias. 1995. Flucht, Asyl und Einwanderung im Fernsehen. Konstanz: UVK-Verlag, S. 71.

[5] Vgl. Stobbe, Holk. 2004. „EU-Grenzpolitik im Vergleich: Die US-mexikanische Grenze.“ In Nationale Grenzen in Europa, hg. v. Christian Banse, S. 276–295. Frankfurt u.a.: Lang, hier S. 286.

[6] Vgl. Schmale Wolfgang. 2008. „,Osteuropa‘: Zwischen Ende und Neudefinition?“ In Europa im Ostblock, Vorstellungen und Diskurse (1945–1991), hg. v. José M. Faraldo, Paulina Jurgiel-Gulinska und Christian Domnitz, S. 23–37. Köln/Weimar/Wien, hier S. 35; vgl. auch Millborn, Corinna. 2006. Gestürmte Festung Europa. Einwanderung zwischen Stacheldraht und Ghetto. Das Schwarzbuch. Wien/Graz/Klagenfurt: Styria, S. 15.

 


Zitierempfehlung: Mayrhofer, Petra, "Sicherheitszäune" um die spanische Exklave Mellila. Bildanalysetext zur Abbildung 3 der Ikone „Festung Europa“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009, URL: http://www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/festung-europa/abb3-sicherheitszaeune-um-die-spanische-exklave-mellila.html

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