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Abb. 2: Karikatur „Festung Europa“

Karikatur „Festung Europa“
©  Brigitte Schneider

Mit der Entstehung des Schengener Abkommens im Jahre 1985 wurde die Metapher „Festung Europa“ als Chiffre für die Abgrenzung dieses gemeinsamen Binnnenraumes von KritikerInnen in die Debatte um Migration, Inklusion und Exklusion im europäischen Raum eingeführt.[1] So wurde in den 1990er-Jahren diese Metapher im Kontext mit dem EU-Erweiterungsdiskurs im Sinne einer restriktiven Erweiterungspolitik gegenüber potenziellen Beitrittskandidaten, vor allem den ehemals kommunistischen ostmitteleuropäischen Staaten, sprachlich verwendet. Die der sogenannten „Osterweiterung“ vorangegangenen Erweiterungsrunden der Union waren realisierbar gewesen, ohne die Frage nach den Grenzen Europas neu thematisieren zu müssen.[2] Dazu kam, dass mitunter nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ die Migration von Menschen aus ostmitteleuropäischen Staaten als „[…] eine, wenn nicht als Hauptgefahr für die öffentliche Ordnung, Sicherheit und Stabilität im Westen“[3] charakterisiert und angesichts der Verabschiedung erster Maßnahmen einer gemeinsamen Grenzpolitik im Zuge des Schengener Durchführungsabkommens 1990 der gemeinsame Raum mitunter als „Festung Europa“ im Sinne einer Abschottung von Westeuropa gegen Osteuropa verstanden wurde.[4]

Eine dahingehende Visualisierung findet sich beispielsweise in Karikaturen, die als „Exponenten der aktuellen Diskussionslage“ öffentliche Debatten zu verdichten vermögen.[5] Die vorliegende Karikatur zeigt eine Burg, welche den gemeinsamen Raum fast unerreichbar auf einer Bergspitze, abgeschottet mit Stacheldraht, darstellt. Im historisch-politischen Kontext spielt die Affichierung des Stacheldrahtes auf die Vergangenheit Europas an, auf die politisch-ökonomische Trennung zu Zeiten des Ost-West-Konflikts, als der sogenannte „Eiserne Vorhang“ Europa trennte. Die Karikatur thematisiert damit ein gesellschaftliches Bedrohungsszenario, das in den 1990er-Jahren vorherrschend war, die Festung Europa, die von Stacheldraht umwickelt ist und die befürchtete Migration aus Osteuropa abwehrt.[6]

Petra Mayrhofer


[1] Vgl. Leuthardt, Beat. 2004. „Essay über die EU-Außengrenzen: Ausgrenzung vom Süden Spaniens bis zum Osten Litauens.“ In Nationale Grenzen in Europa, hg. v. Christian Banse, S. 262–276. Frankfurt u.a.: Lang, hier S. 264.

[2] Vgl. Kreis, Georg. 2004. Europa und seine Grenzen. Bern, S. 20.

[3] Busch, Nicholas. 2006. Baustelle Festung Europa. Beobachtungen, Analysen, Reflexionen. Klagenfurt: Drava,, 119.

[4] Vgl. Treibel, Annette. 2003. Migration in modernen Gesellschaften. Soziale Folgen von Einwanderung, Gastarbeit und Flucht. Weinheim u.a.: Juventa-Verlag, S. 75.

[5] Jones, Priska. 2008. „Europa-Karikaturen in Großbritannien.“ In Selbstverständnis und Gesellschaft der Europäer. Aspekte der sozialen und kulturellen Europäisierung im späten 19. und 20. Jahrhundert, hg. v. Hartmut Kaelble und Martin Kirsch, S. 225–251. Frankfurt, hier S. 229.

[6] www.demokratiezentrum.org/de/bildatlas/baustelle.html (letzter Zugriff 2.10.2008)

 


Zitierempfehlung: Mayrhofer, Petra, Karikatur "Festung Europa". Bildanalysetext zur Abbildung 2 der Ikone „Festung Europa“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009, URL: http://www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/festung-europa/abb2-karikatur-festung-europa.html

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