zur normalen Ansicht

Themen > Europa > Europäisches Bildgedächtnis > Europa-Mythos > Abb.7: Buchcover „Figures d’Europe“ 

Abb. 7: Gemälde "Der Raub der Europa"

Gemälde " Der Raub der Europa" von  Valentin A. Serov, 1910
© akg-images

Aus kostenrechtlichen Gründen können wir dieses Bild nicht mehr online anbieten.

Das zentrale europäische Bildsymbol ist heute der Sternenkranz, welcher den blauen Grund der Europaflagge schmückt.[1] Als visuelles Kürzel für Europa wird er etwa in Karikaturen, auf Pressefotografien und auf Buchtiteln immer wieder eingesetzt. Aber auch, wenn der Sternenkranz ihnen diesbezüglich den Rang abgelaufen hat, kommen Bilder, die sich auf den antiken Mythos der Jungfrau mit dem Stier beziehen, ebenfalls relativ häufig auf Büchern mit Bezug zu europäischen Themen vor.[2] Das hier gezeigte Motiv etwa ist auf dem von Luisa Passerini im Jahr 2003 herausgegebenen Sammelband Figures d’Europe. Images and Myths of Europe abgebildet. Beim Titelbild handelt es sich um die Reproduktion eines Gemäldes. Der ein Jahr später verstorbene russische Künstler Valentin A. Serov hat den Raub der Europa 1910 in leicht voneinander abweichenden Versionen (als Öl- und Temperagemälde) gemalt. Er ist bis heute auch durch seine Theaterdekorationen, Lithographien, Buchillustrationen und Radierungen bekannt. Serovs frühere Gemälde, zu denen unter anderem Porträts und Landschaftsbilder zählten, neigten einer realistischen Spielart des Impressionismus zu; nach der Jahrhundertwende wurden sie großflächiger und dekorativer, wobei der Künstler sich stilisierter Formen bediente. Auf dem hier gezeigten Bild sind Europa und der Stier im Meer schwimmend dargestellt. Dabei ist das Wasser des Meeres wie ein schmückender Stoff über die Bildfläche gebreitet. Der Gott Zeus hat die junge Phönizierin also schon aus ihrer Heimat geraubt und ist mit ihr auf dem Weg nach Griechenland. Zwei Delfine im Hintergrund und die leichte Schaumbildung um seinen Körper deuten die dynamische Bewegung des mit einem mächtigen Gehörn versehenen Gottes in Stiergestalt an.[3] Seine Macht ist zudem visualisiert, indem er als einziges Bildelement vom unteren bis zum oberen Rand des Gemäldes reicht. Er trägt Europa durch die Fluten, ohne dass sie benetzt würde, und wendet sein Haupt dabei zugleich ihr und dem/der BetrachterIn zu; sie stützt sich auf seinem Fell ab, hat den Kopf jedoch von ihm abgewendet. Europa blickt wohl in Richtung ihrer alten Heimat, aus welcher der Gott sie entführt hat. Eine Blumengirlande an seinem Horn erinnert noch an das arglose Spiel, das dem Raub voranging.

Benjamin Drechsel


[1] Zur Entstehungsgeschichte vgl. Göldner, Markus. 1988. Politische Symbole der europäischen Integration. Fahne, Hymne, Hauptstadt, Paß, Briefmarke, Auszeichnungen. Frankfurt am Main: Lang, S. 33–127.

[2] Europa mit dem Stier erscheint als Blickfang beispielsweise auch auf Chalmers, Damian u.a., Hg. 2006. European Union Law. Text and Materials. Cambridge University; Le Goff, Jacques. 2003. L’Europe est-elle née au Moyen-Âge? Paris: Seuil; Behringer, Wolfgang, Hg. 1999. Europa. Ein historisches Lesebuch. München: Beck.

[3] Delfine kommen zum Teil auch schon in den antiken Fassungen des Stoffs vor.


Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin, Gemälde "Der Raub der Europa". Bildanalysetext zur Abbildung 7 der Ikone „Europa-Mythos“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009,
URL: http://www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/europa-mythos/abb7-buchcover-figures-deurope.html

Copyright (c): Demokratiezentrum Wien / Ludwig-Boltzmann-Institut für Europäische Geschichte und Öffentlichkeit Wien, 2009. Der Text ist lizenziert unter der Creative Common-Lizenz by-nc-nd/3.0/Austria. Für das verwendete Bildmaterial wurden die Nutzungerechte ausschließlich für dieses Projekt erworben. Wir haben uns bemüht, alle Inhaber von Bildrechten ausfindig zu machen. Sollten dennoch Urheberrechte verletzt worden sein, werden wir nach Anmeldung berechtigter Ansprüche diese entgelten.

© Demokratiezentrum Wien

Demokratiezentrum Wien
Hegelgasse 6 / 5, A - 1010 Wien
Tel.: +43 / 1 / 512 37 37, Fax.: +43 / 1 / 512 37 37-20
office@demokratiezentrum.org