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Abb. 1: Griechische Zwei-Euro-Münze

Griechische 2-Euro-Münze Europa auf Stier
© European Commission, Mint Directors Working Group

Am 1. Januar 2002 wurde der Euro in Form von Münzen und Geldscheinen in zwölf europäischen Staaten als Zahlungsmittel eingeführt. Die Europäische Union hatte diesen Termin mit einer massiven PR-Kampagne vorbereitet, weil sie sich von der gemeinsamen Währung einen Schub für die transnationale europäische Identität versprach.[1] Die Münzen werden zwar jeweils national abweichend gestaltet, aber nach einem einheitlichen formalen Prinzip: Eine Seite zeigt jeweils den Wert der Münze samt einer Europakarte und zwölf Sternen (in Anlehnung an die Europafahne); auf den niedrigsten Cent-Münzen ist die Europakarte in Verbindung mit einer Weltkugel dargestellt.[2] Diese Motive wurden durch den belgischen Designer Luc Luycx gestaltet, deshalb sind sie mit den Initialen „LL“ gekennzeichnet. Die Rückseite der Euromünzen ziert jeweils ein von Nation zu Nation differierendes Symbol. Dazu zählen beispielsweise Gebäude wie das römische Kolosseum (italienische 5-Cent-Münze), Figuren wie die französische Nationalallegorie Marianne (verschiedene französische Cent-Münzen) oder auch Tiere wie die Schwäne auf der finnischen 1-Euro-Münze bzw. der Löwe auf den sonstigen finnischen Euro- und Cent-Münzen. Europäische Einheit und Vielfalt kommen also in der Gestaltung des Geldes über die jeweils transnational gemeinsame und die differierende Seite gleichermaßen zum Ausdruck. Unsere Abbildung zeigt die Rückseite der griechischen 2-Euro-Münze, die (wie alle nationalen Seiten der griechischen Euro-Münzen) von Georgios Stamatopoulos entworfen worden ist. Das Motiv greift den antiken Mythos von Europa auf: Die gleichnamige phönizische Königstochter sitzt auf dem Rücken eines Stiers. Es handelt sich um den verwandelten Gott Zeus, der sie aus ihrer Heimat raubt und nach Griechenland entführt, wo sie zur Namensgeberin des Kontinents Europa wird. Die Euro-Münze verweist solchermaßen auch auf die prägende Rolle des griechischen Altertums für aktuelle europäische Identitätskonstruktionen.

Benjamin Drechsel


[1] Shanahan, Suzanne. 2003. „Currency and Community: European Identity and the Euro.“ In Figures d’Europe. Images and Myths of Europe, hg. v. Luisa Passerini, S. 159–179. Brüssel: Lang.

[2] Die Karte auf den 10-Cent- bis 2-Euro-Münzen wurde nach der Erweiterung der Union von 15 Ländern auf 27 Länder verändert.


Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin, Griechische Zwei-Euro-Münze. Bildanalysetext zur Abbildung 1 der Ikone „Europa-Mythos“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009,
URL: http://www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/europa-mythos/abb1-griechische-zwei-euro-muenze.html

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