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Abb. 1: Europäische Flagge

Europäische Flagge
© Europäische Gemeinschaft, 2009

Als visuell einprägsamster Marker fungiert die europäische Flagge, das „wichtigste Kollektivsymbol Europas“[1]. Dieses „Super-Icon“ stellt damit visuelle Darstellungen und Publikationen auf den ersten Blick in einen EU-europäischen Kontext. Dabei ist eine detailgetreue Abbildung der Flagge, wie sie beispielsweise auf den Scheinen der Gemeinschaftswährung Euro zu sehen ist, keine Notwendigkeit, die Affichierung des goldenen Sternenkranzes wie auf dem EU-Pass oder aber der Farben Blau und Gelb genügt, um auf Webportalen, in den Massenmedien oder auf Plakaten im öffentlichen Raum einem Sachverhalt einen EU-europäischen Anstrich zu verleihen.

Die Flagge zeigt einen Kranz von zwölf goldenen fünfzackigen Sternen, deren Spitzen sich nicht berühren, auf azurblauem Hintergrund.[2] Ihre Symbolwirkung wird wie folgt auf der Website der EU beschrieben: „Vor dem Hintergrund eines blauen Himmels bilden zwölf goldene Sterne einen Kreis als Zeichen der Union der Völker Europas. Die Zahl Zwölf ist unveränderlich, da diese Zahl als Symbol für Vollkommenheit und Einheit gilt.“[3]

Wie auch bei der offiziellen EU-Hymne, der „Ode an die Freude“ aus Ludwig van Beethovens 9. Symphonie, handelt es sich allerdings bei dieser bekanntesten und am weitesten verbreiteten EU-Ikonographie um ein Symbol, welches in einem anderen Ursprungszusammenhang steht und nicht originär für die EU konzipiert[4], sondern vom Europarat übernommen wurde: Entwürfe einer europäischen Flagge wie u.a. ein grünes E auf weißem Hintergrund wurden von zivilgesellschaftlichen Akteuren wie der Paneuropäischen Bewegung, der Europäischen Bewegung oder von GrafikerInnen eingebracht und waren seit 1948 Gegenstand öffentlicher Debatten.[5] 1955 wurde die blaue Flagge mit dem Kreis von zwölf goldenen Sternen vom Europarat als Flagge angenommen, die zwölf Sterne standen für die Zahl Zwölf als Ganzheit. Die Übernahme der Flagge vonseiten anderer europäischer Institutionen wurde vom Europarat von Anfang an forciert. Im Jahr 1983 wurde die Fahne vom Europäischen Parlament und 1985 schließlich von allen Staats- und Regierungschefs und -chefinnen als offizielles Emblem der Europäischen Union, die damals noch Europäische Gemeinschaften genannt wurde, übernommen. Sie wird damit seit Anfang 1986 von sämtlichen europäischen Einrichtungen verwendet.[6]

Petra Mayrhofer


[1] Kneißl, Daniela. 2008. „EuroVisionen. Die Bildsprache des sich einigenden Europa.“ In Das Jahrhundert der Bilder. 1949 bis heute, hg. v. Gerhard Paul, S. 48–55. Göttingen: Vandenboeck&Ruprecht, hier S. 55.

[2] Heraldische Beschreibung der Flagge, europa.eu/abc/symbols/emblem/graphics1_de.htm (letzter Zugriff 21.1.2009)

[3] europa.eu/abc/symbols/emblem/graphics1_de.htm (letzter Zugriff 21.1.2009)

[4] Zur Verwendung der „Ode an die Freude“ siehe Buch, Esteban. 1999. La Neuvième de Beethoven: une histoire politique. Paris.

[5] Zur Entwicklungsgeschichte der EU-Flagge siehe Schmale, Wolfgang. 2000. Geschichte Europas. Wien/Köln/Weimar: Böhlau, S. 253f., Kaelble, Hartmut. 2003. „European Symbols, 1945–2000: Concept, Meaning and Historical Change.“ In Figures d’Europe. Images and Myths of Europe, hg. v. Luisa Passerini, S. 47–65. Bruxelles, hier S. 58.

[6] europa.eu/abc/symbols/emblem/index_de.htm (letzter Zugriff 23.1.2009)


Zitierempfehlung: Mayrhofer, Petra, Europäische Flagge. Bildanalysetext zur Abbildung 1 der Ikone „Ikonographie EU-Europas“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009, URL: http://www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/eu-europa/abb1-europaeische-flagge.html

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