zur normalen Ansicht

Themen > Europa > Europäisches Bildgedächtnis > Eiserner Vorhang > Abb.8: DDR-BürgerInnen stürmen ein Grenztor  

Abb. 8: DDR-BürgerInnen stürmen ein Grenztor

DDR-BürgerInnen stürmen ein Grenztor, Sopron 1989
© Eisermann Photography / Dirk Eisermann

Aus kostenrechtlichen Gründen können wir dieses Bild nicht mehr online anbieten.

Am 2. Mai 1989 begann der Abbau des "Eisernen Vorhangs" an der Grenze zwischen Ungarn und Österreich. [1] Die Außenminister Österreichs und Ungarns, Alois Mock und Gulya Horn, durchschnitten am 27. Juni 1989 den Grenzzaun. Die Bilder und TV-Berichte von diesem symbolischen Akt hatten vor allem für die DDR-BürgerInnen große Signalwirkung, die über westliche Medien von der Öffnung der Grenze in Ungarn informiert wurden, die nun wussten, dass der "Eiserne Vorhang" in Ungarn durchlässig geworden war. DDR-BürgerInnen versuchten nun verstärkt, über Ungarn in den Westen zu gelangen. Besondere Bedeutung für diese Fluchtbewegung erlangte das von der Paneuropa-Union veranstaltete Massenpicknick am 18. August 1989 in der Sopronpuszta. Während dieser Veranstaltung, welche die ungarische Nachrichtenagentur MIT als „Symbol der Annäherung zwischen Österreich und Ungarn“ bezeichnete [2] , wurde der Grenzübergang bei Sopron für drei Stunden geöffnet. Insgesamt 760 ostdeutsche StaatsbürgerInnen gelangten auf diese Weise nach Österreich. [3] Ebenso stürmten in der Nacht zum 19. August 1989 DDR-BürgerInnen die Grenze ohne Widerstand seitens der ungarischen Soldaten. Der Leitsatz des Paneuropäischen Picknicks „Bau ab und nimm mit!“ [4] wurde von den Menschen, welche, mit Bolzenschneidern ausgerüstet, die Grenzanlage passierten, in dieser Nacht in die Tat umgesetzt. Das „Tor von Sopron“ galt vor allem für DDR-BürgerInnen als Symbol der Freiheit, da sie auf diese Weise in die Bundesrepublik Deutschland ausreisen konnten. Im ungarischen Fernsehen verkündete Gulya Horn am 10. September, dass Ungarn den zahlreichen DDR-BürgerInnen, die sich im Land aufhielten, die Ausreise gestatten werde, das Reiseverkehrs-Abkommen mit der DDR war mit 11. September 1989 außer Kraft gesetzt. DDR-BürgerInnen besetzten ebenso die BRD-Botschaften in Prag und Budapest und konnten von dort aus in die BRD ausreisen. Diese Fluchtbewegung, die „Abstimmung mit den Füßen“ bereitete die Grundlage für die Ereignisse am 9. November 1989, den Fall der Berliner Mauer.

Petra Mayrhofer


[1] Sandgruber, Roman/Loidol, Norbert. 1999. „Der Eiserne Vorhang. Die Geschichte – das Ende – die Mahnung.“ In Der Eiserne Vorhang. Die Geschichte – Das Ende – Die Mahnung, hg. v. Roman Sandgruber. Linz, S. 38.

[2] Sandgruber, Roman/Loidol, Norbert. 1999. „Der Eiserne Vorhang. Die Geschichte – das Ende – die Mahnung.“ In Der Eiserne Vorhang. Die Geschichte – Das Ende – Die Mahnung, hg. v. Roman Sandgruber. Linz, S. 39.

[3] Heeresgeschichtliches Museum (Hg.). 2001. Der Eiserne Vorhang. Katalog zur Sonderausstellung. Wien, S. 184.

[4] Lugosi, Jozsef. 2001. „Keine Grenze wie jede andere.“ In Der Eiserne Vorhang. Katalog zur Sonderausstellung, hg. v. Heeresgeschichtlichen Museum, S. 83–95. Wien, hier S. 94.

 


 

Zitierempfehlung: Mayrhofer Petra, DDR-BürgerInnen stürmen ein Grenztor. Bildanalysetext zur Abbildung 8 der Ikone „Eiserner Vorhang“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009,
URL: http://www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/eiserner-vorhang/abb8-ddr-buergerinnen-stuermen-ein-grenztor.html

Copyright (c): Demokratiezentrum Wien / Ludwig-Boltzmann-Institut für Europäische Geschichte und Öffentlichkeit Wien, 2009. Der Text ist lizenziert unter der Creative Common-Lizenz by-nc-nd/3.0/Austria. Für das verwendete Bildmaterial wurden die Nutzungerechte ausschließlich für dieses Projekt erworben. Wir haben uns bemüht, alle Inhaber von Bildrechten ausfindig zu machen. Sollten dennoch Urheberrechte verletzt worden sein, werden wir nach Anmeldung berechtigter Ansprüche diese entgelten.

© Demokratiezentrum Wien

Demokratiezentrum Wien
Hegelgasse 6 / 5, A - 1010 Wien
Tel.: +43 / 1 / 512 37 37, Fax.: +43 / 1 / 512 37 37-20
office@demokratiezentrum.org