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Abb. 4: Grenzbefestigung des Eisernen Vorhangs

Grenzbefestigung des Eisernern Vorhangs, Stillimage aus dem Film „Eine Grenze ohne Eisernen Vorhang“, Krátký Film 1990, 10:01:32:15
© Krátký Film Praha

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Der "Eiserne Vorhang" teilte Städte, schlug Schneisen durch Landschaften und stellte aufgrund seiner Existenz eine „Hervorbringung einer Differenz im Raum“ [1] dar. Der Ost-West-Konflikt wurde durch die Existenz des Grenzsystems im öffentlichen Raum plakativ vor Augen geführt. Die technischen Abriegelungen entlang der Grenze wurden je nach Land Ende der 1940er-Jahre, zu Beginn der 1950er-Jahre gebaut, zum Beispiel wurden in Ungarn 1948 die Grenze und die Grenzzone gesperrt, ab 1949 Drahthindernisse errichtet und Minenfelder gelegt. [2] Die innerdeutsche Grenze wurde mit Stacheldrahtverhauen, Sichtblenden, Minenfeldern, Hundelaufanlagen und Selbstschussautomaten versehen [3] , in Berlin trennte ab 1961 die Berliner Mauer den West- und den Ostteil der Stadt. Bilder dieser Grenzbefestigungen zeigen ein Abriegelungssystem, welches bis 1989 technisch ausgebaut wurde. Bis in die 1980er-Jahre wurden die Hürden immer ausgefeilter, ein elektronisches Signalsystem, Stolperdrähte, Signalraketen, Detektoren, Suchhunde, Nachtsichtgeräte, Infrarotsignalapparate und Hubschrauber wurden eingesetzt, um Flüchtende aufzuhalten. [4] Um das technische Abriegelungssystem des "Eisernen Vorhangs" gab es eine Grenzzone, die nur mit Sondererlaubnis zugänglich war, beispielsweise wurde in der Tschechoslowakei bis zum 1. April 1950 eine solche Grenzzone in einer Breite von bis zu sechs Kilometern errichtet. Um in dieser Grenzzone zu leben, benötigten die BewohnerInnen der darin liegenden Ortschaften, die älter als 15 waren, eine spezielle Erlaubnis. [5]

Art und Weise der Grenzbefestigung durchliefen je nach Staat und weltpolitischen Determinanten Phasen der Abrüstung wie der Aufrüstung, so wurden beispielsweise in Ungarn die Tretminenfelder 1955 wieder geräumt und am 15. Mai 1956 wurde über die endgültige Aufhebung der technischen Abriegelungen entschieden, nach dem Volksaufstand in Ungarn und der damit verbundenen Fluchtbewegung im März 1957 wurde die neuerliche Abriegelung des Landes mit technischen Grenzsperren inklusive Verminung angeordnet. [6] Eine neuerliche Entminung wurde 1965 vorgenommen, es kam zum Ausbau eines elektronischen Signalsystems.

Petra Mayrhofer


[1] Vgl. Razac, Olivier. 2003. Politische Geschichte des Stacheldrahts. Prärie, Schützengraben, Lager. Berlin: diaphanes, S. 52.

[2] Lugosi, Jozsef. 2001. „Keine Grenze wie jede andere.“ In Der Eiserne Vorhang. Katalog zur Sonderausstellung, hg. v. Heeresgeschichtlichen Museum, S. 83–95. Wien, hier S. 84.

[3] Sandgruber, Roman/Loidol, Norbert. 2001. „Der Eiserne Vorhang. Die Geschichte – das Ende – die Mahnung.“ In Der Eiserne Vorhang. Katalog zur Sonderausstellung, hg. v. Heeresgeschichtlichen Museum, S. 15–53. Wien, hier S. 29.

[4] Krumpöck, Ilse. 2005. „Asiens Atem ist jenseits.“ In Das neue Österreich. Die Ausstellung zum Staatsvertragsjubiläum 1955/2005, S. 219–231. Wien, hier S. 222.

[5] Vgl. Tomáš Jílek. 2006. „Budování železné opony po únoru 1948“ („The construction of the Iron Curtain after February, 1948“) In Železná opona. Československá státní hranice od Jáchymova po Bratislavu (The Iron Curtain. The Czechoslovak Borders from Jáchymov to Bratislava), hg. v. Alená Jílková und Tomáš Jílek. Prag, S. 20.

[6] Vgl. Lugosi, Jozsef. 2001. „Keine Grenze wie jede andere.“ In Der Eiserne Vorhang. Katalog zur Sonderausstellung, hg. v. Heeresgeschichtlichen Museum, S. 83–95. Wien, hier S. 86.


Zitierempfehlung: Mayrhofer Petra, Grenzbefestigung des Eisernen Vorhangs. Bildanalysetext zur Abbildung 4 der Ikone „Eiserner Vorhang“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009,
URL: http://www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/eiserner-vorhang/abb4-grenzbefestigung-des-eisernen-vorhangs.html

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