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Abb.2: Karikatur „Der Auftritt in Fulton. Churchill und seine Vorgänger“

Karikatur „Der Auftritt in Fulton. Churchill und seine Vorgänger“, 1946
© akg-images/RIA Nowosti/Boris Yefimov

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Der "Eiserne Vorhang" als politische Metapher für die Systemgrenzen in Europa nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde in der Rede des damaligen britischen Premierministers Winston Churchill im Westminster College in Fulton, Missouri, im Jahr 1946 im Sinne eines „kommunistischen Eisernen Vorhangs“ geprägt. In diesem Zusammenhang gilt diese Metapher als einer der „unverzichtbaren Begriffe im Vokabular des Kalten Krieges“. [1]

„[…] From Stettin in the Baltic to Trieste in the Adriatic, an iron curtain has descended across the Continent. Behind that line lie all the capitals of the ancient states of Central and Eastern Europe. Warsaw, Berlin, Prague, Vienna, Budapest, Belgrade, Bucharest and Sofia, all these famous cities and the populations around them lie in what I must call the Soviet sphere, and all are subject in one form or another, not only to Soviet influence but to a very high and, in many cases, increasing measure of control from Moscow […]“ [2]

Die Rede Churchills wurde von den KarikaturistInnen internationaler Medien aufgegriffen, wenngleich es 1946 noch keinen "Eisernen Vorhang" im Sinne einer Grenzbefestigung, sondern nur die politische Metapher gab. Die westlichen Karikaturen, welche auf die Rede Bezug nahmen, zeigten bezeichnenderweise keine Visualisierung des "Eisernen Vorhangs", sondern thematisierten andere Aspekte der Rede wie beispielsweise das „Schicksal der besetzten Länder in Osteuropa.“ [3]

In der Sowjetunion beziehungsweise in den osteuropäischen Staaten ihrer Einflusszone wurde auf die Fulton-Rede seitens der Politik und der Medien kaum Bezug genommen, der Begriff "Eiserner Vorhang" nicht aufgegriffen, da er als „westlicher Terminus“ angesehen wurde. Damit wurde implizit ausgesagt, dass die Teilung der Welt nicht von den Russen begründet worden sei. Auf bildlicher Ebene wurde die Reaktion Stalins auf die Fulton-Rede Churchills vom Karikaturisten der Zeitung „Izvestia“, Boris Efimov, im Sinne einer Feindbilddarstellung ausgeführt. Der "Eiserne Vorhang" wurde in dieser Karikatur, die in osteuropäischen Medien immer wieder publiziert wurde, allerdings nicht visualisiert, sondern als Text-Zitat dargestellt:

Die Karikatur zeigt Churchill bei der Rede in Fulton vor einem Mikrophon. Der Titel der Karikatur lautet „Der Auftritt in Fulton. Churchill und seine Vorgänger“. Der Karikaturist Boris Efimov visualisiert ein Zitat aus Stalins Replik auf Churchills Rede [4] . Und zeichnet daher Hitler und Goebbels als die Schatten von Churchill, um damit implizit auf den „wahren Charakter“ Churchills als Kriegstreiber hinzuweisen. Die Metapher des "Eisernen Vorhangs" wird nicht als Bild, sondern als Text-Zitat auf der linken Tafel („Eiserner Vorhang über Europa!!! Russische Gefahr!!! Bolschewistische Bedrohung!!!“) dargestellt. In Kombination mit der stilisierten Atombombe, welche sich am Ende der rechten Fahnenstange befindet, sowie dem Säbel, den Churchill trägt, charakterisiert Efimov das Zitat Churchills als Waffe, um einen neuen Krieg zu provozieren. Im Kontext des Ost-West-Konflikts fungierten die Visualisierungsstrategien dieser Karikatur als Feindbilddarstellung. [5]

Bis zum Bau der Berliner Mauer wurde der "Eiserne Vorhang" in westlichen wie östlichen Ländern – mit Ausnahme der Sowjetunion – eine Konstante im Bildrepertoire im Sinne eines Gegenstandes, der das Gute vom Bösen trennte, wenngleich der Bedeutungszusammenhang je nach Blockzugehörigkeit divergierte: Im Westen symbolisierte er kommunistische Bedrohung, im Osten schützte er vor „kapitalistischer Einkesselung“ [6] . In der Bildsprache wurde der "Eiserne Vorhang" als Theatervorhang, eiserner Rollladen oder Markise gezeigt. Ab 1961 löste in der Bildsprache der Karikaturen und Zeichnungen die Berliner Mauer den "Eisernen Vorhang" als Ikone der Grenzziehung in Europa ab. [7]

Petra Mayrhofer


[1] Murawska-Muthesius, Katarzyna. 2003. „Who drew the iron curtain? Images East and West.“ In Znamení doby. Signs of the Times, hg. v. James Aulich, S. 125–131. Brno, hier S. 118.

[2] Winston Churchill, zit. www.winstonchurchill.org/i4a/pages/index.cfm (14.08.2008)

[3] Vgl. Murawska-Muthesius, Katarzyna. 2003. „Who drew the iron curtain? Images East and West.“ In Znamení doby. Signs of the Times, hg. v. James Aulich, S. 125–131. Brno, hier S. 120.

[4] “Mr.Churchill and his friends bear a striking resemblance to Hitler and his friends“, zit. Stalin nach. Murawska-Muthesius, Katarzyna. 2003. „Who drew the iron curtain? Images East and West.“ In Znamení doby. Signs of the Times, hg. v. James Aulich, S. 125–131. Brno, hier S. 120.

[5] Vgl. Murawska-Muthesius, Katarzyna. 2003. „Who drew the iron curtain? Images East and West.“ In Znamení doby. Signs of the Times, hg. v. James Aulich, S. 125–131. Brno, hier S. 120.

[6] Vgl. Murawska-Muthesius, Katarzyna. 2003. „Who drew the iron curtain? Images East and West.“ In Znamení doby. Signs of the Times, hg. v. James Aulich, S. 125–131. Brno, hier S. 120.

[7] Vgl. Murawska-Muthesius, Katarzyna. 2003. „Who drew the iron curtain? Images East and West.“ In Znamení doby. Signs of the Times, hg. v. James Aulich, S. 125–131. Brno, hier S. 123.


Zitierempfehlung: Mayrhofer Petra, Karikatur „Der Auftritt in Fulton. Churchill und seine Vorgänger“ . Bildanalysetext zur Abbildung 2 der Ikone „Eiserner Vorhang“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009,
URL: http://www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/eiserner-vorhang/abb2-karikatur-der-auftritt-in-fulton.html

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