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Abb.1: Der geographische Verlauf des Eisernen Vorhangs

Schemakarte: Der geographische Verlauf des eisernen Vorhangs
© Grafik: Katrin Pfleger

Der "Eiserne Vorhang" etablierte sich in seiner Entstehungsgeschichte als Metapher für die Blockbildung im Sinne der politischen, wirtschaftlichen und militärischen Abschottung der staatssozialistischen Länder Mittel- und Osteuropas nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Untrennbar verbunden ist die Metapher mit der – in Zeiten des "Kalten Kriegs" im Westen geläufigen – Bezeichnung für die technischen Grenzbefestigungen, die die staatssozialistischen Ländern (mit Ausnahme Jugoslawiens) vom Rest Europas trennten.[1] Diese wurden seit Ende der 1940er-Jahre errichtet, existierten bis Ende der 1980er-Jahre und fanden in die kartographische Darstellung Europas Eingang. Der "Eiserne Vorhang" als hochgerüstete Grenzsperre wurde ab Ende der 1940er-Jahre an den Grenzen Ungarns zu Österreich, der damaligen Tschechoslowakei zur damaligen BRD und zu Österreich, Bulgariens zu Griechenland und zur Türkei und an der damaligen innerdeutschen Grenze von der DDR errichtet. In Skandinavien war die Grenze zwischen der damaligen Sowjetunion und Norwegen beziehungsweise Finnland zwar geschlossen und streng bewacht, es gab aber keine Grenzanlagen wie in Mittel- und Südosteuropa. [2] Durch die Schließung der Grenzen und mit dem technischen Abriegelungssystem, einer Art totalen Grenzkontrollregimes seitens der Sowjetunion, symbolisierte der Eiserne Vorhang die Trennung zweier unterschiedlicher Systeme gesellschaftlicher Ordnung. [3]

Die kartographische Darstellung Europas wurde bis 1989 vom Verlauf des "Eisernen Vorhangs" geprägt. Kartographische Visualisierungen der Systemgrenzen wurden vor allem in Schulbüchern und (Schul-)Atlanten gezeigt, dieses „Mapping Europe“ war somit Bestandteil des Kanons der visuellen Repräsentationen. [4] Auf diese Weise markierten die Landkarten Europas auf bildliche Weise die klar gezogene Differenz zwischen Systemgrenzen, also die Grenze zwischen den Bündnisblöcken in Europa. [5]

Petra Mayrhofer


[1] Vgl. Becker, Joachim/Komlosy, Andrea. 2004. „Grenzen und Räume – Formen und Wandel. Grenztypen von der Stadtmauer bis zum ,Eisernen Vorhang‘.“ In Grenzen weltweit. Zonen, Linien, Mauern im historischen Vergleich, hg. v. Joachim Becker und Andrea Komlosy, S. 21–55. Wien, hier S. 33.

[2] Vgl. www.europeangreenbelt.org/001.route_fs.html (14.08.2008)

[3] Becker, Joachim/Komlosy, Andrea. 2004. „Grenzen und Räume – Formen und Wandel. Grenztypen von der Stadtmauer bis zum ,Eisernen Vorhang‘.“ In Grenzen weltweit. Zonen, Linien, Mauern im historischen Vergleich, hg. v. Joachim Becker und Andrea Komlosy, S. 21–55. Wien, hier S. 33.

[4] Vgl. Projektgruppe AG Iconclash. 2006. Iconclash. Kollektive Bilder und Democratic Governance in Europa. Endbericht. Wien, S. 187, Zugriff via www.demokratiezentrum.org/fileadmin/media/pdf/iconclash_bericht.pdf (01.09.2009).

[5] Becker, Joachim/Komlosy, Andrea. 2004. „Grenzen und Räume – Formen und Wandel. Grenztypen von der Stadtmauer bis zum ,Eisernen Vorhang‘.“ In Grenzen weltweit. Zonen, Linien, Mauern im historischen Vergleich, hg. v. Joachim Becker und Andrea Komlosy, S. 21–55. Wien, hier S. 29 f.


Zitierempfehlung: Mayrhofer Petra, Der geographische Verlauf des Eisernen Vorhangs. Bildanalysetext zur Abbildung 1 der Ikone „Eiserner Vorhang“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009,
URL: www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/eiserner-vorhang/abb1-der-geographische-verlauf-des-eisernen-vorhangs.html

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