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Abb. 7: Demonstration gegen den Krieg im Irak

Demonstration gegen den Krieg im Irak, Köln 24. März 2003
© picture alliance /dpa/Gambarini Federico

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Der von den USA dominierte Krieg ihrer „Koalition der Willigen“ gegen den Irak und die nachfolgende Besatzungszeit haben seit dem Frühjahr 2003 zahllose Bilder von hoher politischer Brisanz hervorgebracht.[1] Auch im Vorfeld des Angriffs wählten verschiedene politische Akteure Instrumente der visuellen politischen Kommunikation, um den Krieg noch zu verhindern bzw. um ihn voranzutreiben. So versuchte US-Außenminister Colin Powell am 5. Februar 2003 im UN-Sicherheitsrat mittels einer bebilderten Power-Point-Präsentation zu belegen, dass der irakische Diktator Saddam Hussein über Massenvernichtungswaffen verfüge.[2] Geradezu antiquiert wirken demgegenüber die Bildmittel der weltweiten Friedensdemonstrationen mit ihren „No War“-Plakaten und Transparenten. Zu den wichtigsten pazifistischen Symbolen zählten „PACE“-Regenbogenfahnen (Abb. 10), „Peace“-Zeichen und die Friedenstaube, die hier exemplarisch auf dieser Fotografie zu sehen ist. Die Aufnahme ist im Zusammenhang mit einer Anti-Kriegs-Demonstration am 24. März 2003 beim Kölner Dom entstanden. Die Friedenstaube ist darauf in ihrer ikonischen Form als weißer Vogel mit gekerbtem Schwanz auf blauem Grund zu sehen. Ein Flügel fächert sich weit auf, der andere ist verdreht. Diese Darstellungsweise geht auf eine Fotografie des finnischen Grafikstudenten Mika Launis aus dem Jahr 1974 zurück. Anlässlich der Unterzeichnung der Schlussakte der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa war sie 1975 auf Plakaten in Helsinki zu sehen. Grafiker stilisierten das Modell immer wieder aufs Neue und als weiße Taube auf blauem Grund trat das Bildmotiv auf Buttons, Aufklebern und Postern einen weltweiten Siegeszug an (Abb. 5). Der gespaltene Schwanz soll übrigens daher rühren, dass Launis’ „Fotomodell“ bei den Aufnahmen gegen einen Scheinwerfer geprallt war und dabei eine Feder verloren hatte. Obwohl die Proteste gegen den drohenden Krieg global stattfanden, hatten sie eine spezifische europäische Komponente: Die Philosophen Jacques Derrida und Jürgen Habermas hatten im Mai 2003 nämlich versucht, sie zum Gründungsmythos der europäischen Öffentlichkeit zu stilisieren. Als Anlass diente ihnen der „15. Februar 2003, als die demonstrierenden Massen in London und Rom, Madrid und Barcelona, Berlin und Paris auf diesen Handstreich reagierten. Die Gleichzeitigkeit dieser überwältigenden Demonstrationen – der größten seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges – könnte rückblickend als Signal für die Geburt einer europäischen Öffentlichkeit in die Geschichtsbücher eingehen.“[3]

Benjamin Drechsel


[1] Vgl. Paul, Gerhard. 2005. Der Bilderkrieg. Inszenierungen, Bilder und Perspektiven der „Operation Irakische Freiheit“. Göttingen: Wallstein.

[2] Vgl. Schweizer, Stefan/Vorholt, Hanna. 2004. „Bildlichkeit und politische Legitimation im Vorfeld des Irakkriegs 2003.“ In Bildwelten des Wissens Band 2,1: S. 29–40.

[3] Derrida, Jacques/Habermas, Jürgen. 2003. „Nach dem Krieg: Die Wiedergeburt Europas.“ In Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 31. Mai. Online-Publikation in Auszügen (letzter Zugriff 10.3.2009).


Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin, Demonstration gegen den Krieg im Irak. Bildanalysetext zur Abbildung 7 der Ikone „Die Friedenstaube“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009,
URL: http://www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/die-friedenstaube/abb7-demonstration-gegen-den-krieg-im-irak.html

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