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Abb. 6: Viktor Juschtschenko lässt weiße Taube frei

Der ukrainische Politiker Viktor Juschtschenko lässt Taube frei, Kiew 23. Januar 2005
© ITAR-TASS/Corbis/Baran Alexander

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Politische Akteure bedienen sich zur allgemein verständlichen Darstellung von Strukturen, Prozessen und Ereignissen häufig symbolischer Handlungen. Visuelle Kommunikation kann dabei hilfreich sein, wenn es darum geht, komplizierte Konstellationen einfach darzustellen. Deshalb dienen Farben oft als symbolische „Wegweiser“[1] zur Bezeichnung bestimmter politischer Richtungen, Bewegungen oder Parteien: So steht „Grün“ heute europaweit für ökologische Politikansätze (www.europeangreens.org) und bereits seit dem 19. Jahrhundert sind soziale Bewegungen mit der Farbe „Rot“ assoziiert. Die revolutionären Ereignisse, die in der Ukraine in den Jahren 2004 und 2005 stattfanden, werden hingegen mit „Orange“ verbunden. Deshalb trägt die weiße Taube auf der hier gezeigten Fotografie ein orangefarbenes Band. Der an diesem Tag, dem 23. Januar 2005, offiziell in sein Amt eingeführte neue Präsident Viktor Juschtschenko ließ den Vogel bei der Zeremonie am Platz der Unabhängigkeit in Kiew fliegen: Friedens- und Freiheitssymbolik verschmelzen bei diesem weltweit gebräuchlichen Ritual miteinander. Tausende UkrainerInnen waren zur Amtseinführung ihres neuen Präsidenten gekommen, der in den Wochen zuvor an diesem Ort als Symbolfigur eines möglichen politischen Wandels immer wieder an das Durchhaltevermögen der Menschen appelliert hatte, die dort unter freiem Himmel in einer Art Zeltstadt kampierten. Damit protestierten sie gegen die Wahlfälschung der alten Regierung – letztlich mit Erfolg, wie das Bild des Taubenflugs und die damit verbundene Inaugurationsfeier symbolisch untermauert. Die wie vernarbt wirkende Struktur der Gesichtshaut des neuen Präsidenten der Ukraine ging auf eine Dioxinvergiftung zurück, die er sich einige Monate zuvor (wohl durch einen Mordanschlag) zugezogen hatte. In den Folgejahren ebbte die Euphorie um den Protagonisten der „Orangefarbenen Revolution“ dann allerdings zusehends ab.[2]

Benjamin Drechsel


[1] Vgl. Schüler, Bernd. 2006. „Farben als Wegweiser in der Politik.“ In Aus Politik und Zeitgeschichte 20: S. 31–38.

[2] Zu verschiedenen Bedeutungsdimensionen der Farbe „Orange“ vgl. Weißler, Sabine, Hg. 2006. Mein Orange. Mehr als eine Generationenfarbe. Marburg: Jonas.


Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin, Viktor Juschtschenko lässt weiße Taube frei. Bildanalysetext zur Abbildung 6 der Ikone „Die Friedenstaube“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009,
URL: http://www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/die-friedenstaube/abb6-viktor-juschtschenko-laesst-weisse-taube-frei.html

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