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Abb. 1: Gemälde “Taufe Christi”

Gemälde “Taufe Christi” von Andrea del Verrocchio, Florenz 1473/78
© akg images/Erich Lessing

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Tauben stehen in der europäischen Bildtradition sehr häufig stellvertretend für den Heiligen Geist der christlichen Lehre. Dieser „Spiritus sanctus“ gilt in der christlichen Trinitätslehre neben Vater und Sohn (d.h. Jesus) als dritte Person des dreieinigen Gottes. Die Verbindung der Taube mit dem Geist ist schon aus dem Neuen Testament bekannt: „In jenen Tagen kam Jesus aus Nazaret in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen. Und als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel sich öffnete und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam.“ (Mk 1,9–10)[1] Diese Szene greift beispielsweise das hier gezeigte Renaissancegemälde aus den 1470er-Jahren von Andrea del Verrocchio auf, an dem auch sein Schüler Leonardo da Vinci mitgewirkt haben soll (u.a. linker Engel).[2] Die Taube fällt in der Komposition mit dem spitzen Winkel eines gedachten Dreiecks zusammen, das jeweils in den unteren Bildecken beginnt und sich über Bein und Arm des Täufers bzw. über die Schulter Jesu und das Gesicht des rechten Engels erstreckt. Der Vogel ist im Augenblick des Schwebeflugs dargestellt.[3] Mit großer Genauigkeit sind auch die malerischen Details ins Werk gesetzt: Die nackten Füße Jesu, die im klaren Wasser zu sehen sind, sprechen ebenso dafür wie die sich unter der Haut abzeichnenden Muskeln des Gottessohnes. Andererseits wirken Elemente wie die Felsblöcke oder die Palme im linken Mittelgrund noch recht „hölzern“. Leonardo gelang es dann in seinen Meisterwerken, Personen und Landschaften insgesamt in ein weiches Licht (Sfumato) zu tauchen, sodass ihre Modellierung weniger kantig wirkte als beispielsweise die Person Johannes des Täufers (rechts) auf dem hier gezeigten Gemälde.

Benjamin Drechsel


[1] Alle Bibelstellen zitiert nach der Einheitsübersetzung der Bibel von 1980 (Stuttgart, Katholische Bibelanstalt/Herder).

[2] Zur Kooperation beider Künstler vgl. Windt, Franziska. 2003. Andrea del Verrocchio und Leonardo da Vinci. Zusammenarbeit in Skulptur und Malerei. Münster: Rhema.

[3] Nach Haag-Wackernagel, Daniel. 1998. Die Taube – Vom heiligen Vogel der Liebesgöttin zur Straßentaube. Basel: Schwabe, S. 104f lassen sich anhand des Motivs der „Taufe Christi“ verschiedene Kunstepochen durch die differierende Art der Darstellung der Flugphase (vom frühmittelalterlichen Sturzflug bis zum kontrollierten Landeanflug im Manierismus) unterscheiden.


Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin, Gemälde “Taufe Christi”. Bildanalysetext zur Abbildung 1 der Ikone „Die Friedenstaube“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009,
URL: http://www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/die-friedenstaube/abb1-gemaelde-taufe-christi.html

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