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Abb. 9: Außenanlagen des Valle de los Caídos

Fotografie der Außenanlagen des Valle de los Caídos mit Monumentalkreuz
© akg-images / Bildarchiv Monheim

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Im europäischen Bildgedächtnis des Bürgerkriegs haben insgesamt wohl die republikanischen Bildinszenierungen den Sieg davongetragen, wenn man ihre populäre Verbreitung zum Maßstab nimmt. Doch die öffentliche spanische Erinnerungskultur beherrschte der Franquismus bis in die 1970er-Jahre hinein unangefochten: Zur Geschichtspolitik des Regimes zählte die Umbenennung von Straßen und Ortschaften ebenso wie die Errichtung von Denkmälern und anderen Gedächtnisorten. Auch die Besiegten des Bürgerkriegs mussten zur Umgestaltung der Erinnerungslandschaft beitragen: So entstand etwa der wichtigste franquistische Gedächtnisort durch die Zwangsarbeit Tausender republikanischer Häftlinge. Dieses „Tal der Gefallenen“ (Valle de los Caídos) mussten sie seit 1940 in der Sierra de Guadarrama errichten.[1] Zum 20. Jahrestag des Bürgerkriegsendes wurde das Sieges- und Gefallenendenkmal 1959 eingeweiht. Das auf unserer Abbildung gezeigte Steinkreuz dominiert mit 142 Metern Höhe die Anlage; die Spannweite beträgt knapp 50 Meter. Am Sockel sind Figuren der vier Evangelisten zu sehen. Das Monument symbolisiert mit seiner alles beherrschenden Stellung den aggressiven Nationalkatholizismus der franquistischen Ära. Zur äußeren Anlage zählen auch eine auf Massenveranstaltungen ausgelegte Esplanade sowie Klostergebäude. Das Monumentalkreuz lastet auf einer ebenfalls gigantischen Krypta, die 1942 bis 1956 in den Felsen gesprengt wurde. Diese unterirdische Basilika ist mitsamt ihrer Vorhalle etwa 260 Meter lang, 20 Meter breit und 35 Meter hoch. Insgesamt dient die Anlage der Verherrlichung des nationalistischen Opfertodes: Das Valle de los Caídos ist heute nicht nur die Grabstätte des Falangegründers José Antonio Primo de Rivera und Tausender im Bürgerkrieg Gefallener aus allen Landesteilen (darunter auch republikanische Katholiken), denn nach seinem Tod im November 1975 wurde Franco dort ebenfalls ins Grab gesenkt, wie er selbst es vorgesehen hatte.[2]

Benjamin Drechsel


[1] Vgl. Bernecker, Walter L./Brinkmann, Sören. 2007. Kampf der Erinnerungen. Der Spanische Bürgerkrieg in Politik und Gesellschaft 1926–2006. Nettersheim: Graswurzelrevolution (3. Auflage), S. 204–212.

[2] Es gibt Versuche, den Gedenkort für beide Seiten des Bürgerkriegs gemeinsam zu reklamieren; vgl. zum diesbezüglichen Wunsch von König Juan Carlos etwa Hensbergen, Gijs van. 2007. Guernica. Biographie eines Bildes. München: Siedler (engl. Original 2004), S. 362.


 

Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin, Außenanlagen des Valle de los Caídos. Bildanalysetext zur Abbildung 9 der Ikone „Der Spanische Bürgerkrieg“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009,
URL: http://www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/der-spanische-buergerkrieg/abb9-aussenanlagen-des-valle-de-los-caidos.html

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