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Abb. 3: Picasso-Gemälde „Guernica“

Picasso-Gemälde Guernica, 1937
©akg-images/Erich Lessing / © Pablo Picasso / © VBK, Wien, 2009

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Während die Franquisten die militärische Auseinandersetzung im Spanischen Bürgerkrieg für sich entscheiden konnten, haben ihre WidersacherInnen auf dem Gebiet der Bildpropaganda bis heute anhaltende Erfolge mit internationaler Reichweite erzielt.[1] Ein berühmtes Beispiel dafür ist Pablo Picassos Gemälde Guernica. Wichtig für das Verständnis der Entstehung dieser Ikone sind die militärischen Luftschläge gegen die Zivilbevölkerung, welche eine neue Qualität des Spanischen Bürgerkriegs ausmachten. Picassos gleichnamiges Gemälde ist auf die Stadt Guernica (baskisch: Gernika) bezogen, die am 26. April 1937 von italienischen Flugzeugen und der deutschen Legion Condor angegriffen wurde (Abb. 4). Mehrere Hundert ZivilistInnen starben damals. Heute gilt Guernica deshalb als Symbol für die Gräuel des modernen Luftkrieges. Dazu hat Picasso nicht unwesentlich beigetragen: Die republikanische Regierung hatte den gebürtigen Spanier schon vor dem Luftangriff auf Guernica damit beauftragt, ein Wandgemälde für den spanischen Pavillon der Pariser Weltausstellung herzustellen, um auf die Bürgerkriegssituation aufmerksam zu machen. Im Anschluss an die Ausstellung in Paris reiste das Gemälde durch Europa und die USA, um Solidarität mit der Spanischen Republik zu mobilisieren. Es gelangte dann in die Obhut des Museum of Modern Art[2] in New York. Picasso hatte verfügt, dass das Bild erst nach Spanien überführt werden dürfe, wenn die freiheitliche Republik wiederhergestellt sei. So kehrte Guernica nach dem Tod des Diktators Franco und während der Konsolidierungsphase der konstitutionellen Monarchie im Jahr 1981 zurück.[3] Picassos Werk hat sich in der öffentlichen Rezeption schon seit Langem von seinem engen Bezug auf den Spanischen Bürgerkrieg der 1930er-Jahre gelöst und wird meist sehr allgemein als Anti-Kriegs-Ikone verstanden. Darauf verweist eine weltpolitische Episode aus dem Februar 2003: US-Außenminister Colin Powell legte damals die Haltung seiner Regierung zum Irak im UN-Sicherheitsrat dar.[4] Bereits am 27. Januar 2003 verhüllten technische Mitarbeiter der Vereinten Nationen in einem Vorraum des Sicherheitsrats-Sitzungssaals einen Wandteppich mit der Kopie von Picassos Guernica, weil dieses Motiv als unangemessener Hintergrund für Powells Argumentation galt.[5] Ganz offensichtlich wird das Gemälde also bis heute als ebenso eindringliches wie universal gültiges Plädoyer gegen Krieg und die damit verbundenen menschlichen Leiden verstanden. Hilfreich für diese Deutung ist die weit über Spanien hinaus wirksame allegorische Kraft des Motivs, die sich u.a. aus einer langen Tradition abendländischer Kunstgeschichte und christlicher Ikonographie speist: Das vertraute Sujet des Stalls von Bethlehem ist hier allerdings aus den Fugen geraten. Ochse und Esel winden sich vor Schmerzen und links im Bild beklagt die (Gottes-)Mutter den Tod ihres Kindes. Die jeweiligen Bildelemente sind dabei mehrfach codiert und haben viel Anlass zu Spekulationen gegeben: So lässt sich etwa das abgebildete Rind auch als Stier und damit als spanisches Nationalsymbol verstehen. Dann wäre der vermeintliche Esel vielleicht eher als beim Stierkampf verletztes Pferd zu betrachten.

Benjamin Drechsel


[1] Vgl. beispielsweise das Übergewicht der republikanischen Bildproduktion im Ausstellungskatalog Imperial War Museum, Hg. 2001. The Spanish Civil War. Dreams + Nightmares. London: Imperial War Museum.

[2] www.moma.org

[3] Die Odyssee des Gemäldes rekonstruiert Hensbergen, Gijs van. 2007. Guernica. Biographie eines Bildes. München: Siedler (engl. Original 2004), S. 362.

[4] Schweizer, Stefan/Vorholt, Hanna. 2004. „Bildlichkeit und politische Legitimation im Vorfeld des Irakkriegs 2003.“ In Bildwelten des Wissens Band 2,1, S. 29–40.

[5] Vgl. Paul, Gerhard. 2005. Der Bilderkrieg. Inszenierungen, Bilder und Perspektiven der „Operation Irakische Freiheit“. Göttingen: Wallstein, S. S. 34–40.


 

Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin, Picasso-Gemälde „Guernica“. Bildanalysetext zur Abbildung 3 der Ikone „Der Spanische Bürgerkrieg“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009,
URL: www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/der-spanische-buergerkrieg/abb3-picasso-gemaelde-guernica.html

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