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Abb. 7: Menschen vor Napoléon-Gemälde

Menschen vor Napoléon-Gemälde, Paris 2007
© dpa / picturedesk.com / Andreas Gebert

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Nur wenige Bilder haben die Jahrhunderte überdauert und sich dauerhaft in das kollektive Gedächtnis Europas eingebrannt. Dazu zählt auch das hier zu sehende Gemälde von Jacques-Louis David. Es hängt heute im Pariser Louvre, der einstigen Residenz der französischen Könige, die heute zu den wichtigsten Kunstmuseen weltweit zählt. Unsere Fotografie zeigt BesucherInnen, welche am 26. März 2007die mächtige Leinwand von nahezu zehn Metern Breite betrachten, und belegt damit die erinnerungskulturelle Wirksamkeit des etwa 200 Jahre zuvor entstandenen Motivs. Das Ölgemälde tradiert mit seinen visuellen Mitteln einen Tiefpunkt der politischen Geschichte des Papsttums: Hatten die mittelalterlichen Päpste noch den Anspruch auf das Recht zur Kaiserkrönung erhoben, so war Pius VII. (1800–23) bei der Selbstkrönung Napoléons zum Kaiser der Franzosen 1804 in der Kathedrale Notre-Dame (fast) nur noch als Zuschauer erwünscht. Der Herrscher krönte sich zunächst selbst und im Anschluss daran dann seine Frau Joséphine de Beauharnais, die auf dem Bild erwartungsvoll vor ihm kniet und auf den unmittelbar folgenden Moment wartet, in dem er ihr die Krone aufs Haupt setzen wird.[1] Jacques-Louis David hat diesen Augenblick der Zeremonie (und nicht die Selbstkrönung Napoléons) auf seinem Historiengemälde so inszeniert, dass der Papst mit segnendem Gestus hinter dem französischen Potentaten sichtbar wird.[2] Pius VII. sitzt zudem und ist dadurch in der Bildlogik niedriger eingeordnet als Napoléon, dessen Lorbeerkranz und purpurfarbener Mantel auf die Tradition des römischen Kaiserreichs verweisen. In der Bildhierarchie ist der Kaiser dem Papst damit deutlich überlegen. Das trifft auch auf eine weitere der zahlreichen historischen Persönlichkeiten zu, die auf dem Gemälde inszeniert werden: Napoléons Mutter Letizia, Madame Mère, sitzt oberhalb des Geschehens in einer Loge. Ihre Stirn ist mit einem Diadem geschmückt. Der Papst hingegen trägt seine Dreifachkrone, die „Tiara“ (Abb. 4), nicht. Er ist stattdessen am „Pallium“ um seinen Hals mit den aufgestickten Kreuzen sowie am weißen „Pileolus“ (Abb. 2) auf seinem Kopf zu erkennen. Jacques-Louis Davids Lebenslauf war durch die enge Verbindung von Politik und Kunst gekennzeichnet: Während der Französischen Revolution hatte er sich zunächst aufseiten der Linken engagiert und unter anderem die Dekoration von Revolutionsfesten übernommen. Schließlich schloss er sich jedoch Napoléon an und wurde 1804, im Jahr der Krönung, zum ersten Maler des Kaisers ernannt. Er ist bis heute für seine Historienbilder und Porträts bekannt.

Benjamin Drechsel


[1] Zum Ablauf der Krönung und zu Davids Gemälde vgl. Tulard, Jean. 2004. Le Sacre de l’empereur Napoléon. Histoire et légende. Paris: Fayard bzw. Laveissière, Sylvain. 2004. Le Sacre de Napoléon – peint par David. Mailand: 5 Continents Editions.

[2] Als kurze Einführung zu diesem Bild vgl. www.arte.tv/de/Willkommen/Die-Welt-verstehen/Geschichte/Historisches-Bild-des-Monats/Kroenung-Napoleons/1225972.html (19. Januar 2009).

 


Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin, Menschen vor Napoléon-Gemälde. Bildanalysetext zur Abbildung 7 der Ikone „Der Papst“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009, URL: www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/der-papst/abb7-menschen-vor-napoleon-gemaelde.html

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