zur normalen Ansicht

Themen > Europa > Europäisches Bildgedächtnis > Der Papst > Abb.5: Euromünze zum 500. Jubiläum der Schweizergarde 

Abb. 5: Euromünze zum 500. Jubiläum der Schweizergarde

Euromünze zum 500jährigen Bestehen der Schweizergarde
© epa / picturedesk.com

Aus kostenrechtlichen Gründen können wir dieses Bild nicht mehr online anbieten.

Der sowjetische Diktator Stalin hat einmal höhnisch gefragt, wie viele Divisionen der Papst habe. Zwar überdauerte das Papsttum schließlich die sowjetische Supermacht, doch verfügt es tatsächlich nicht mehr über militärische Macht im herkömmlichen Sinne – seine gut 100 Schweizergardisten stehen in einer langen Tradition, sind heute aber eher von symbolischem Wert. Sie stehen damit für die kulturelle soft power des Vatikans, die weltweit wirksam ist: Unsere Abbildung zeigt Briefmarken, die in der Schweiz anlässlich des 500. Jubiläums der Garde im Jahr 2006 gedruckt wurden. Abgebildet ist hier Julius II. (1503–13), jener Papst, der seit 1503 mit einigen Schweizer Kantonen über die Stationierung von Soldaten zu seinem Schutz in Rom verhandelt hatte. Ihre Notwendigkeit erwies sich rasch: Beim sogenannten Sacco di Roma, der Plünderung der Ewigen Stadt durch die Landsknechte Karls V., wurden sie 1527 bis auf wenige Überlebende aufgerieben. Papst Clemens VII. (1523–34) konnte dabei zunächst in die Engelsburg fliehen. Auf unserer Abbildung ist die enge Beziehung, aber auch die Hierarchie zwischen dem Oberhaupt der katholischen Kirche und seinen Leibwächtern deutlich gemacht. Ihre Gesichter sind einander zugewandt. Zugleich ist der Kopf des Papstes, seiner Bedeutung entsprechend, deutlich größer und individueller gestaltet als diejenigen der Gardisten. Die Zulassungsbedingungen für Schweizergardisten sind übrigens bis heute genau geregelt: Die katholischen Kandidaten müssen unverheiratet sein und bereits in der Schweiz ihren Militärdienst geleistet haben. Sie müssen, bei einem Alter von nicht über 30 Jahren, zumindest 1,74 Meter groß sein. Der Papst ernennt den jeweiligen Kommandanten. Die Gardisten residieren in einer Kaserne in der Vatikanstadt. 1970 löste Paul VI. (1963–78) alle übrigen päpstlichen Militärkorps auf. Nur die Schweizergarde hat bis heute überdauert. Noch immer obliegt ihr die persönliche Sicherheit des Papstes und seiner Residenz.[1]

Benjamin Drechsel


[1] Re, Niccolò del, Hg. 1998. Vatikanlexikon. Augsburg: Pattloch (italien. Original 1995), S. 715–717.

 


Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin, Euromünze zum 500. Jubiläum der Schweizergarde. Bildanalysetext zur Abbildung 5 der Ikone „Der Papst“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009, URL: www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/der-papst/abb5-euromuenze-zum-500-jubilaeum-der-schweizergarde.html

Copyright (c): Demokratiezentrum Wien / Ludwig-Boltzmann-Institut für Europäische Geschichte und Öffentlichkeit Wien, 2009. Der Text ist lizenziert unter der Creative Common-Lizenz by-nc-nd/3.0/Austria. Für das verwendete Bildmaterial wurden die Nutzungerechte ausschließlich für dieses Projekt erworben. Wir haben uns bemüht, alle Inhaber von Bildrechten ausfindig zu machen. Sollten dennoch Urheberrechte verletzt worden sein, werden wir nach Anmeldung berechtigter Ansprüche diese entgelten.

© Demokratiezentrum Wien

Demokratiezentrum Wien
Hegelgasse 6 / 5, A - 1010 Wien
Tel.: +43 / 1 / 512 37 37, Fax.: +43 / 1 / 512 37 37-20
office@demokratiezentrum.org