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Abb. 2: Papst mit abgenommenem Pileolus

Papst mit abgenommenem Pileolus, Maryland 15. April 2008
©epa / picturedesk.com / Shawn Thew

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Insignien sind Zeichen der Macht, des Standes und der Würde politischer, aber auch religiöser HerrscherInnen. Päpstliche Symbole dieser Art sind der Thron, die Tiara, der Hirtenstab, der Fischerring und verschiedene Gewandformen. Seit Sixtus IV. (1471–84) hat sich Weiß als Farbe für das Oberhaupt der katholischen Kirche zunehmend durchgesetzt, womit insbesondere eine Abgrenzung gegenüber den in Purpur gewandeten Kardinälen gewährleistet war.[1] Als Gewand pflegt der Papst heute eine „Soutane“ mit seidener Schärpe zu tragen, das Kreuz um seinen Hals ist wie bei jedem katholischen Bischof als „Pektorale“ bekannt und seine Kopfbedeckung ist meist der „Pileolus“, ein flaches Käppchen. Auf der hier gezeigten Agenturfotografie vom 15. April 2008 trägt Benedikt XVI. den Pileolus in seiner rechten Hand, die er mitsamt der Linken zum segnenden Adorantengestus ausgestreckt hält. Daneben verweist seine aus der Fasson geratene Frisur darauf, dass bei der Ankunft in Maryland (USA) wohl widrige Winde im Spiel waren, als er aus dem Flugzeug mit seinem Papstwappen stieg. Die päpstliche Kleidung ist allerdings durchaus variabel: Bisweilen trägt er einen bis zu den Ellbogen reichenden Schulterkragen („Mozetta“) (Abb. 3) oder ein „Rochett“ genanntes Übergewand, das bis zu den Knien reicht. Bei liturgischen Feiern kleidet sich der Papst zudem wie die Erzbischöfe mit einer „Pallium“ genannten Stola und der „Mitra“ samt ihrer Doppelspitze als Kopfbedeckung. Benedikt XVI. hat sich aber auch dadurch hervorgetan, dass er die Tradition des „Camauro“, einer roten Samtmütze mit Pelzbesatz, wiederbelebte, durch die er u.a. an die Ikonographie Urbans VIII. (1623–44) anschloss.[2] (Abb. 3)

Benjamin Drechsel


[1] Re, Niccolò del, Hg. 1998. Vatikanlexikon. Augsburg: Pattloch (italien. Original 1995), S. 256f.

[2] Bredekamp, Horst. 2007. „Vom Birett zum Camauro. Zum Zusammenspiel von Kleidung, Körper und Papstwürde.“ In Papsttum und Politik. Eine Institution zwischen geistlicher Gewalt und politischer Macht, hg. v. Tobias Mörschel, S. 75–100. Freiburg: Herder, S. 92f.

 


Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin, Papst mit abgenommenem Pileolus. Bildanalysetext zur Abbildung 2 der Ikone „Der Papst“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009, URL: www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/der-papst/abb2-papst-mit-abgenommenem-pileolus.html

 

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