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Abb. 1: Papst vor Atatürk-Gemälde

Papst vor Atatürk-Gemälde, Ankara 28. November 2006
©epa/ picturedesk.com

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Die erste Türkeireise Benedikts XVI. vom 28. November bis zum 1. Dezember 2006 wurde mit Spannung erwartet, weil der Papst zuvor durch eine Rede zum Verhältnis von Religion und Vernunft weltweit den Unmut von Muslimen und Musliminnen auf sich gezogen hatte.[1] Der Papst machte während seines Besuchs unter anderem Station am Mausoleum des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk. In das dortige Gästebuch trug er sich nach Angaben von Radio Vatikan mit einem Atatürk-Zitat ein: „Friede im Land und in der Welt.“[2] Zudem hatte seine Reise insofern eine politische Note, als Benedikt den türkischen Präsidenten Sezer sowie den Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan traf. Unsere Abbildung zeigt, dass auch der Gründungsvater des türkischen Staates dabei anwesend war, wenn auch nur in effigie (d.h. als Bildnis): Die Agenturfotografie zeigt die beiden Würdenträger kurz nach Benedikts Eintreffen am Flughafen von Ankara unter einem Porträt Atatürks, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Verwestlichung der Türkei maßgeblich vorangetrieben hat. Ikonographisch erscheint Benedikt XVI. hier durch Attribute wie die Fahnen im Hintergrund bzw. auf dem Tisch sowie seine Begleiter am Bildrand fast als ein typischer politischer Staatsgast. Was den Papst bei solchen öffentlichen Bildanlässen jedoch sehr augenscheinlich von anderen PolitikerInnen unterscheidet, ist seine Kleidung. Statt der bei den meisten Staatsmännern üblichen Einheitstracht von (dunklem) Anzug und Krawatte, die auch das Atatürk-Gemälde kennzeichnet, ist der Souverän des Vatikanstaates traditionell in strahlendes Weiß gekleidet: Papst Benedikt wirkt dadurch auf der politischen Bühne zumindest optisch bei weitem exotischer als der Ministerpräsident der Türkei, deren kulturelle und politische Zugehörigkeit zu Europa in öffentlichen Diskursen weiterhin stark umstritten bleibt.[3]

Benjamin Drechsel


[1] Als offizielle schriftliche Fassung der Rede (gegenüber der mündlichen Fassung an entscheidender Stelle leicht verändert) vgl. online (14. November 2008) bzw. Benedikt XVI. 2006. Glaube und Vernunft: Die Regensburger Vorlesung. Kommentiert von Gesine Schwan u.a. Freiburg: Herder.

[2] kna/ansa. 2006. „Papst besucht Atatürk-Mauseoleum.“ In Radio Vatikan, 28. November, www.vaticanradio.org/ted/Articolo.asp (17. Oktober 2007).

[3] Leggewie, Claus, Hg. 2004. Die Türkei und Europa. Die Positionen. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.

 


Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin, Papst vor Atatürk-Gemälde. Bildanalysetext zur Abbildung 1 der Ikone „Der Papst“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009, URL: www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/der-papst/abb1-papst-vor-atatuerk-gemaelde.html

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