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Abb. 7: Mausoleum in Majdanek

Mausoleum in Majdanek (Polen)
© AP Images/Czarek Sokolowski

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Der Ortsname Auschwitz ist heute ein Synonym für den Holocaust, er steht aber auch für den Mord an polnischen ChristInnen und anderen Gruppen. Dort kam es ab 1957 zu einem international beachteten Denkmalsetzungs-Verfahren. Erst nach einem Jahrzehnt, am 16. April 1967, wurde das in diesem Zusammenhang geschaffene Monument für die Opfer des Faschismus im ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau öffentlich präsentiert. Zentral war dabei ein Steinturm, der bisweilen als Schornstein und damit als direkter Verweis auf die Infrastruktur der Massenmorde gedeutet worden ist. Er sollte ursprünglich ohne expliziten politischen Symbolbezug neben einigen niedrigeren Blöcken stehen, die Assoziationen zu Sarkophagen wecken können, wurde dann aber kurzfristig noch durch einen polierten schwarzen Marmorquader mit einem auf der Spitze stehenden Dreieck ergänzt (Abb.6). Auch in anderen ehemals nationalsozialistischen Lagern auf polnischem Territorium wurden in Erinnerung an die dort Getöteten Denkmalsetzungen vorgenommen. In Majdanek schuf der Bildhauer Wiktor Tolkin 1969 das hier abgebildete Mausoleum mit der Asche ermordeter Häftlinge. Die Fotografie von Czarek Sokolowski ist am 23. Juli 2004 nach den Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der Befreiung des Lagers entstanden. Die Urnenmetaphorik der massiven Kuppelarchitektur im Hintergrund war zuvor beispielsweise auch bei einem nur kurz bestehenden Mahnmal in Auschwitz Mitte der 1950er-Jahre verwendet worden, das Asche von Ermordeten aus verschiedenen Lagern aufgenommen hatte. Das Mausoleum kann von außen eingesehen werden, da die Kuppel auf Säulen ruht. Zusätzlich dazu entwarf Tolkin für Majdanek ein weiteres Monument, das aufgrund des scheinbaren Missverhältnisses zwischen dem relativ kleinen und zudem ausgehöhlten Unterbau und dem gewaltigen oberen Teil dazu geeignet ist, bei der Rezeption ein Gefühl der Bedrohung auszulösen (Abb.8) .[1]

Benjamin Drechsel


[1] Vgl. Young, James E. 1997 (engl. Original 1993).  Formen des Erinnerns. Gedenkstätten des Holocaust. Wien: Passagen, S. 181f. Ursprünglich wollten die Behörden das Denkmal deshalb mit einem Zaun umgeben.

 


Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin, Mausoleum in Majdanek. Bildanalysetext zur Abbildung 7 der Ikone „Denkmale des Holocaust“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009, URL: www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/denkmale-des-holocaust/abb7-mausoleum-in-majdanek.html

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