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Abb. 6: Denkmal für die Opfer des Faschismus

Denkmal für die Opfer des Faschismus, Auschwitz
© Ullstein Bild/Peter Widmann

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In den staatssozialistischen Diktaturen wurde während der Zeit der Ost-West-Konfrontation in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts der „rote Winkel“ zu einem zentralen Symbol der NS-Verbrechen. Damit waren in den Lagern politische Gefangene (und das hieß häufig: KommunistInnen) gekennzeichnet worden. In Ostdeutschland entstanden deshalb im Laufe der späten 1940er-Jahre beispielsweise mehrfach Monumente zum Gedenken an das Konzentrationslager Buchenwald (), welche die Symbolik des auf der Spitze stehenden roten Dreiecks aufgriffen.[1] In Auschwitz-Birkenau wiederum führte ein 1957 ausgeschriebener internationaler Wettbewerb zu einem ähnlich unübersichtlichen Verfahren der Denkmalsetzung, wie es dann einige Jahrzehnte später in der Bundesrepublik Deutschland wieder ablaufen sollte. Erst am 16. April 1967 wurde das „Denkmal für die Opfer des Faschismus“ in Auschwitz-Birkenau öffentlich präsentiert. Zentral war dabei der hier gezeigte Steinturm, der bisweilen als Schornstein und damit als direkter Verweis auf die Infrastruktur des Holocaust gedeutet worden ist. Er sollte ursprünglich ohne expliziten politischen Symbolbezug neben einigen niedrigeren Blöcken stehen, die beispielsweise Assoziationen zu Sarkophagen wecken können, wurde dann aber kurzfristig noch durch einen polierten schwarzen Marmorquader mit einem auf der Spitze stehenden Dreieck ergänzt, wie unsere Abbildung erkennen lässt. Obwohl dieser Winkel farblos ausgeführt worden ist, „muss er rot gedacht werden“,[2] erinnert also insbesondere an die politischen Gefangenen im NS-Lager bzw. vielleicht auch speziell an die polnischen Gefangenen, die den roten Winkel mit einem „P“ versehen auf ihrer Kleidung trugen. Weiterhin dekorierte Ministerpräsident Cyrankiewicz das Denkmal für die Opfer des Faschismus bei der Einweihung mit dem Orden des Grunwałdkreuzes erster Klasse, fügte es also in die nationale Symbolordnung Polens ein.

Benjamin Drechsel


[1] Vgl. Knigge, Volkhard. 1998. „Buchenwald.“ In hg. v. Detlef Hoffmann, S. 92–173. Frankfurt am Main: Campus, hier S. 94–111.

[2] Hoffmann, Detlef. 1998. „Das Gedächtnis der Dinge.“ In , hg. v. Detlef Hoffmann. Frankfurt am Main: Campus, S. 28.

 


Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin, Denkmal für die Opfer des Faschismus. Bildanalysetext zur Abbildung 6 der Ikone „Denkmale des Holocaust“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009, URL: www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/denkmale-des-holocaust/abb6-denkmal-fuer-die-opfer-des-faschismus.html

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