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Abb. 5: Holocaust-Mahnmal auf dem Wiener Judenplatz

Holocaust-Mahnmal auf dem Wiener Judenplatz
© Alena Pfoser / Künstlerin: Rachel Whiteread

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Der prominente Holocaust-Überlebende Simon Wiesenthal forderte Mitte der 1990er-Jahre ein Monument für die ermordeten österreichischen Juden und Jüdinnen.[1] Die Stadt Wien nahm sich rasch der Sache an und der Bund mischte sich, anders als beim deutschen „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“, nicht in das Projekt ein. So konnte das von der britischen Künstlerin Rachel Whiteread gestaltete Werk erheblich früher fertiggestellt werden als sein Berliner Pendant, obwohl die Debatte darum erst später in Gang gekommen war. Ursprünglich hatte der Initiator Simon Wiesenthal eine Ergänzung von Alfred Hrdlickas Werk am Albertinaplatz angedacht, doch am 25. Oktober 2000 wurde Whitereads Monument auf dem eigens neu gestalteten Judenplatz enthüllt. Bei Ausgrabungen an diesem Ort waren im Vorfeld der Denkmalsetzung Reste der im 15. Jahrhundert bei einem Pogrom zerstörten Or-Sarua-Synagoge gefunden worden. Diese archäologischen Spuren wurden dann in ein eigens geschaffenes Museum vor Ort integriert (www.jmw.at/de/judenplatz.html). So macht der Gedächtnisort am Judenplatz heute auf einzigartige Weise verschiedene Zeitschichten des jüdischen Lebens, aber auch des Antijudaismus bzw. des Antisemitismus in Wien sichtbar. Dominant ist dabei Rachel Whitereads hier gezeigtes Werk. Die Künstlerin hat einen Stahlbetonkubus mit nach außen gedrehten Bibliothekswänden auf den Judenplatz gesetzt; die vollkommen gleichförmigen Bücher weisen zudem allesamt mit den Schnittflächen statt mit den Rücken zum Betrachter/zur Betrachterin. In ihren Maßen (10 x 7 x 3,8 Meter) orientiert sich die Negativform an Zimmern in angrenzenden Gebäuden. Whitereads „Bibliothek“ versperrt sich einer eindeutigen Lesart, doch verweist sie symbolisch auf die hohe Bedeutung schriftlicher Medien für das „Volk des Buchs“.[2] Die Inschrift des Wiener Holocaust-Denkmals lautet: „Zum Gedenken an die mehr als 65.000 österreichischen Juden, die in der Zeit von 1938 bis 1945 von den Nationalsozialisten ermordet wurden.“ Allerdings ist der europäische Aspekt der Verbrechen trotz dieser Betonung der nationalen Dimension insofern präsent, als auch die Namen der 45 größten Vernichtungsstätten und Konzentrationslager aufgeführt werden, in denen österreichische Jüdinnen und Juden getötet worden sind, darunter Auschwitz, Buchenwald und San Sabba.

Benjamin Drechsel


[1] Vgl. Thünemann, Holger. 2005. . Idstein: Schulz-Kirchner

[2] Zudem spielt es mit der Symbolik eines weiteren Berliner Denkmals, nämlich der „Bibliothek“ (Einweihung 1995) von Micha Ullman am Bebelplatz mit ihren unterirdischen leeren Bücherregalen, die auf die nationalsozialistischen Bücherverbrennungen verweist.

 


Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin, Holocaust-Mahnmal auf dem Wiener Judenplatz. Bildanalysetext zur Abbildung 5 der Ikone „Denkmale des Holocaust“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009, URL: www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/denkmale-des-holocaust/abb5-holocaust-mahnmal-auf-dem-wiener-judenplatz.html

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