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Abb. 4: „Straßenwaschender Jude“ (Element des Mahnmals gegen Krieg und Faschismus)

„Straßenwaschender Jude“ (Element des Mahnmals gegen Krieg und Faschismus), Wien
© Benjamin Drechsel

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Die Wiener Diskussion um ein Denkmal für die ermordeten österreichischen Jüdinnen und Juden (Abb.5) war zeitlich sehr eng mit der Debatte um ein nationales deutsches Holocaust-Denkmal in Berlin (Abb. 1) verbunden. Zur Vorgeschichte des österreichischen Monuments gehört zudem das fünfteilige „Mahnmal gegen Krieg und Faschismus“ von Alfred Hrdlicka, das am 24. November 1988 am Albertinaplatz der Hauptstadt enthüllt, aber erst 1991 fertiggestellt worden war. Als bekanntestes Element fungiert die hier zu sehende Figur eines straßenwaschenden Mannes, eine Anspielung auf die Demütigung der Jüdinnen und Juden im nationalsozialistisch regierten Wien durch die sogenannten „Reibpartien“ des Jahres 1938.[1] Da dieses Werk bisweilen von PassantInnen als Sitzbank missbraucht wurde, ist die Figur unterdessen von Stacheldraht bedeckt. Hrdlickas Werk lässt sich als Indikator dafür interpretieren, dass das österreichische Geschichtsbewusstsein im Laufe der 1980er-Jahre einem Wandlungsprozess unterlag: Die nationalen Verstrickungen in die NS-Verbrechen wurden immer weniger vom hergebrachten Opfermythos überdeckt, die öffentliche Auseinandersetzung damit kam Jahrzehnte nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft doch noch in Gang. Schon die Entstehung von Hrdlickas Werk war von heftigen Diskussionen begleitet worden. Als der prominente Holocaust-Überlebende Simon Wiesenthal dann Mitte der 1990er-Jahre ein Monument für die ermordeten österreichischen Juden forderte, war es insofern schon absehbar, dass auch dieses Projekt für Debatten sorgen würde (Abb.5) .[2]

Benjamin Drechsel


[1] Vgl. Uhl, Heidemarie. 2004. „Österreich. Vom Opfermythos zur Mitverantwortungsthese: Die Transformationen des österreichischen Gedächtnisses.“ In Mythen der Nationen. 1945 – Arena der Erinnerungen. Band 2, hg. v. Monika Flacke, S. 481–508. Mainz: Zabern, hier S. 496f; als populärkulturelle Thematisierung in einem Jugendroman vgl. Orgel, Doris. 1990. Der Teufel in Wien. Bertelsmann: München (engl. Original 1978).

[2] Vgl. Thünemann, Holger. 2005. Holocaust-Rezeption und Geschichtskultur. Zentrale Holocaust-Denkmäler in der Kontroverse. Ein deutsch-österreichischer Vergleich. Idstein: Schulz-Kirchner

 


Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin,"Straßenwaschender Jude" (Element des Mahnmals gegen Krieg und Faschismus). Bildanalysetext zur Abbildung 4 der Ikone „Denkmale des Holocaust“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009, URL: www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/denkmale-des-holocaust/abb4-strassenwaschender-jude.html

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