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Abb. 12: Mahnmal mit Stacheldrahtmotiv

Mahnmal mit Stacheldrahtmotiv, Dachau
© akg-images/John Hios

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Das in der Bundesrepublik unweit der bayerischen Landeshauptstadt München gelegene ehemalige Konzentrationslager Dachau wurde lange Zeit erinnerungskulturell vernachlässigt und zur Unterbringung von Flüchtlingen verwendet (www.kz-gedenkstaette-dachau.de). Zwar kam es immer wieder zu kleineren Denkmalsetzungen. Doch erst 1968, im Jahr der studentischen Revolte, wurde das zentrale Mahnmal des Comité International de Dachau (www.comiteinternationaldachau.com) enthüllt. Die Bronzeplastik des Künstlers Nandor Glid ist hier auf einer Fotografie aus dem Jahr 2007 zu sehen. Sie zeigt in Stacheldraht verstrickte Menschen. Der Draht ist eines der wichtigsten visuellen Symbole des Holocaust. Extremitäten, Leiber und Draht gehen dabei ineinander über, Köpfe und Hände mit dornenartigen Fingern sind zu Pathosformeln eines schrecklichen Leids verzerrt. An anderen Stellen in Dachau machte sich im Übrigen auch die katholische Prägung der bayerischen Erinnerungskultur bemerkbar.[1] Auf die bereits 1945 aus Spolien (aus anderen Bauteilen wiederverwendete Teile) errichtete Heilig-Kreuz-Kirche des Ex-Häftlings Pater Leonhard Roth folgte 1960 mit der Todesangst-Christi-Kapelle ein Gebäude, dessen Bau vor allem durch den Weihbischof von München und Freising, Johannes Neuhäusler (auch er war ein ehemaliger Dachau-Häftling), vorangetrieben worden war. Ergänzt wurde die Kapelle vier Jahre später durch ein Karmel-Kloster, 1967 durch eine evangelische Sühne- und Versöhnungskirche sowie im gleichen Jahr durch eine jüdische Gedenkstätte.[2]

Benjamin Drechsel


[1] Zum Verhältnis von religiöser Symbolik und Holocaust-Erinnerung vgl. Orla-Bukowska, Annamaria. 2002. „Religious Symbols, Political Power: the Cross, the Star of David and Auschwitz-Birkenau.“ In Symbols, Power and Politics, hg. v. Hałas, Elżbieta, S. 145–160. Frankfurt am Main: Peter tLang.

[2] Vgl. Hoffmann, Detlef. 1998. „Dachau.“ In Das Gedächtnis der Dinge. KZ-Relikte und KZ-Denkmäler 1945–1995, hg. v. Detlef Hoffmann, S. 38–91. Frankfurt am Main: Campus.

 


Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin, Mahnmal mit Stacheldrahtmotiv. Bildanalysetext zur Abbildung 12 der Ikone „Denkmale des Holocaust“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009, URL: www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/denkmale-des-holocaust/abb12-mahnmal-mit-stacheldrahtmotiv.html

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