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Abb. 11 - Buchenwald-Denkmal

Fotografie des Buchenwald-Denkmals von Fritz Cremer, 1985
© AP Images/Jens Meyer

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Die Spaltung der deutschen Nation während des Ost-West-Konflikts wirkte sich auf die erinnerungskulturelle Überformung jener einstigen nationalsozialistischen Konzentrationslager aus, die auf dem Territorium von DDR und Bundesrepublik lagen. So war die nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald ein zentraler Gedächtnisort des SED-Regimes (www.buchenwald.de). Dort wurde allerdings weniger der an dieser Stätte ermordeten Jüdinnen und Juden gedacht – und schon gar nicht der Opfer des sowjetischen Speziallagers, das in Buchenwald später eingerichtet worden war.[1] Vielmehr betrieb die SED-Diktatur eine Heroisierung der politischen Gefangenen aus der NS-Zeit, die mit Fritz Cremers 1954 bis 1958 errichtetem Mahnmal ihren dauerhaften Ausdruck fand. Wie hier auf einer Abbildung der frisch restaurierten Figurengruppe aus dem Jahr 2005 zu sehen ist, stellt diese exemplarisch Bewusstseinshaltungen dar, die von Zweifel und Hoffnungslosigkeit (rechts dargestellt) bis hin zur todesmutigen Aufopferung des Niedersinkenden und zum Kampfesschwur des Mannes mit der erhobenen Rechten reichen: Das Konzentrationslager wird so im Nachhinein zur Keimzelle der sozialistischen Elite umgedeutet, die ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt, um die Welt ganz im marxistischen Sinne bewusst zu verändern. Deshalb war auch die angebliche Selbstbefreiung der Häftlinge im Jahr 1945 sehr wichtig für den Buchenwald-Mythos der DDR.[2] Cremers Denkmal fungierte gemeinsam mit dem zentralen Turm der Gedenkanlage, der hier im Bildhintergrund zu sehen ist, als Teil einer Art Erlösungspfad. Im 50 Meter hohen „Turm der Freiheit“ wurden Asche und Erde aus anderen Konzentrationslagern verwahrt, er übernahm also die Funktion einer Urne (wie auch das Mausoleum in Majdanek, Abb.7 ). Der Erlösungspfad stellte sich als säkularisierte Form christlicher Kreuzwege dar und ersetzte lediglich die religiöse durch eine kommunistische Freiheitsverheißung. Zu der bis heute existierenden Anlage zählt neben Massengräbern und Stelen mit Reliefs auch eine sogenannte „Straße der Nationen“. Hier führen Pylone 18 Nationen an, die durch das Buchenwald-Gedächtnis miteinander verbunden sind. Das ehemalige Lager wurde in der DDR mit großem Aufwand zum Erinnerungsort umgeformt, der dann in den 1990er-Jahren einem erneuten massiven Wandel unterlag, wobei es zu heftigen geschichtspolitischen Debatten kam.[3] Durch Ausstellungen und weitere Erinnerungszeichen wird diese Entwicklung heute vor Ort reflektiert.

Benjamin Drechsel


[1] Buchenwald ist somit ein Ort, der sowohl durch nationalsozialistische als auch durch kommunistische Gewalttaten konnotiert ist, ganz ähnlich wie etwa das ungarische „Haus des Terrors“; vgl. dazu Schmidt, Mária. 2005. „Das Budapester Museum ,Haus des Terrors‘“. In Der Kommunismus im Museum. Formen der Auseinandersetzung in Deutschland und Ostmitteleuropa, hg. v. Volkhard Knigge und Ulrich Mählert, S. 161–169. Köln: Böhlau.

[2] Vgl. etwa Flacke, Monika/Schmiegelt, Ulrike. 2004. „Aus dem Dunkel zu den Sternen: Ein Staat im Geiste des Antifaschismus.“ In Mythen der Nationen. 1945 – Arena der Erinnerungen. Band 1, hg. v. Monika Flacke, S. 173–189. Mainz: Zabern, hier S. 178.

[3] Vgl. Meyer, Erik. 2001. „Geteilte Erinnerung. Geschichtspolitik und politische Kultur am Beispiel der Gedenkstätte Buchenwald.“ In Spiegel der Forschung 1: S. 76–83.

 


Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin, Buchenwald-Denkmal. Bildanalysetext zur Abbildung 11 der Ikone „Denkmale des Holocaust“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009, URL: www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/denkmale-des-holocaust/abb11-buchenwald-denkmal.html

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