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Abb. 6: Monumentale “Mutter Heimat”

Monumentale „Mutter Heimat“, Wolgograd
© akg-images / RIA Nowosti

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Bis heute gehört ein 1967 eingeweihter Gedenkkomplex in Wolgograd zu den monumentalsten Stätten der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg (http://mamayevhill.volgadmin.ru/). Als leitender Bildhauer fungierte Evgenij V. Vučetič, der in den 1940er-Jahren bereits das sowjetische Denkmal im Treptow-Park in Berlin gebaut hatte. Das Wolgograder Ensemble von Plastiken und Reliefs zieht sich etwa einen Kilometer den durch mehrere Plätze gegliederten Weg zum Mamaev Kurgan hinauf, führt also auf einen Hügel, der bei der Schlacht um Stalingrad von entscheidender Bedeutung gewesen war. Zentrale Elemente dieser großzügig gestalteten Erinnerungslandschaft sind neben einer Ruhmeshalle (Abb.7) die hier zu sehenden Plastiken, mit denen Vučetič die Monumentalisierung und Heroisierung des gewaltsamen Todes auf die Spitze getrieben hat.[1] Den Vordergrund nimmt die 16 Meter hohe Figur eines männlichen Helden ein, dessen nackter Oberkörper aus dem Felsblock in der Mitte eines runden Wasserbeckens dringt. Das Gesicht des Riesen ist dem Porträt des sowjetischen Marschalls Čujkov nachempfunden und von der grimmigen Entschlossenheit gekennzeichnet, die Waffen in seinen Händen zu gebrauchen. Diese Figur wirkt wie der personifizierte Schutz für die „Mutter Heimat“, die nicht nur insofern den Höhepunkt des gesamten Ensembles bildet, als sie auf der Spitze des Hügels im Hintergrund der Abbildung steht. Auch die Größe der Plastik, die wahlweise als Siegesgöttin oder als Freiheitsallegorie interpretiert werden kann, sprengt jeden Rahmen: Bis zur Spitze des erhobenen Schwerts misst sie 85 Meter. Ihr Mund ist wie zum Ruf geöffnet, ihre gesamte Körpersprache ermuntert zum Kampf für die Heimat.[2]

Benjamin Drechsel


[1] Zu diesen und weiteren Elementen des Ensembles vgl. Arnold, Sabine R. 1994. „,Das Beispiel der Heldenstadt wird ewig die Herzen der Völker erfüllen!‘ Gedanken zum sowjetischen Totenkult am Beispiel des Gedenkkomplexes in Volgograd.“ In Der politische Totenkult. Kriegerdenkmäler in der Moderne, hg. v. Michael Jeismann und Reinhart Koselleck, S. 351–374. München: Fink.

[2] Zu der Ikonographie dieser Figur vgl. Scherrer, Jutta. 2004. „Sowjetunion/Russland. Siegesmythos versus Vergangenheitsaufarbeitung.“ In Mythen der Nationen. 1945 – Arena der Erinnerungen. Band 2, hg. v. Monika Flacke, S. 619–657. Mainz: Zabern, hier S. 641–643.

 

 


Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin, Monumentale "Mutter Heimat". Bildanalysetext zur Abbildung 6 der Ikone „Denkmäler zum Zweiten Weltkrieg“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009, URL: www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/denkmaeler-zum-zweiten-weltkrieg/abb6-monumentale-mutter-heimat.html

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