zur normalen Ansicht

Themen > Europa > Europäisches Bildgedächtnis > Denkmäler zum Zweiten Weltkrieg > Abb.3: Kenotaph mit Mohnblütenkränzen 

Abb. 3: Kenotaph mit Mohnblütenkränzen

Kenotaph mit Mohnblütenkränzen, London
© akg-images/Robert O'Dea

Aus kostenrechtlichen Gründen können wir dieses Bild nicht mehr online anbieten.

Am 11. November 1920, dem feierlich begangenen „Armistice Day“, wurde ein unbekannter Soldat in der Westminster Abbey zu Grabe getragen. Zu den damit verbundenen Zeremonien in London zählte auch die Enthüllung eines Monuments durch König George V. Dieses sogenannte „Cenotaph“ in Whitehall war nach Plänen von Sir Edwin Lutyens bereits für die „Peace Parade“ am 19. Juli 1919 aus Holz und Gips gefertigt worden. Wegen des großen Erfolgs wurde es dann auf Grundlage eines Kabinettsbeschlusses noch einmal errichtet, diesmal aus dauerhaftem Portlandstein.[1] Kenotaphen sind seit der Antike als Grabmäler für Tote bekannt, die andernorts begraben sind. Ganz in diesem Sinne diente Lutyens’ Werk seither der Erinnerung an die soldatischen Opfer des Ersten Weltkriegs aus Großbritannien bzw. aus dem Commonwealth, denn auf dem schlichten Sockel mit einem ebenso schlichten vertikal emporgezogenen Aufbau (mit der Inschrift: „THE GLORIOUS DEAD“) ruhte ein leerer Steinsarg. George VI. enthüllte dann 1946 eine Inschrift, welche die Toten der Jahre 1939 bis 1945 in die Symbolik des Erinnerungsorts mit einschloss.[2] Das Londoner Kenotaph belegt, dass die Ikonographie beider Weltkriege in der europäischen Denkmallandschaft teilweise sehr eng miteinander verbunden ist. Bis heute wird dort am „Remembrance Sunday“ zeremoniell der seit 1914 in kriegerischen Auseinandersetzungen Gefallenen gedacht. Kränze mit Klatschmohnblüten spielen dabei eine wichtige Rolle. Diese „Poppies“ beziehen sich auf ein Gedicht des Kanadiers John McCrae aus dem Jahr 1915, das in der englischsprachigen Welt sehr bekannt geworden ist. Die erste Strophe von „In Flanders Fields“ lautet:

“In Flanders fields the poppies blow

Between the crosses, row on row,

That mark our place; and in the sky

The larks, still bravely singing, fly

Scarce heard amid the guns below.”

Benjamin Drechsel


[1] Vgl. Vgl. Greenberg, Allan. 1989. „Lutyens’s Cenotaph.“ In <cite>The Journal of the Society of Architectural Historians</cite> 48/1: S. 5–23.

[2] Vgl. Boorman, Derek. 2005. A Century of Remembrance. One Hundred Outstanding British War Memorials. Barnsley: Pen & Sword, S. 22f; dort ist auch eine Fotografie des Sargs mit dem unbekannten Soldaten am Cenotaph abgebildet.


Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin, Kenotaph mit Mohnblütenkränzen. Bildanalysetext zur Abbildung 3 der Ikone „Denkmäler zum Zweiten Weltkrieg“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009, URL: www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/denkmaeler-zum-zweiten-weltkrieg/abb3-kenotaph-mit-mohnbluetenkraenzen.html

Copyright (c): Demokratiezentrum Wien / Ludwig-Boltzmann-Institut für Europäische Geschichte und Öffentlichkeit Wien, 2009. Der Text ist lizenziert unter der Creative Common-Lizenz by-nc-nd/3.0/Austria. Für das verwendete Bildmaterial wurden die Nutzungerechte ausschließlich für dieses Projekt erworben. Wir haben uns bemüht, alle Inhaber von Bildrechten ausfindig zu machen. Sollten dennoch Urheberrechte verletzt worden sein, werden wir nach Anmeldung berechtigter Ansprüche diese entgelten.

© Demokratiezentrum Wien

Demokratiezentrum Wien
Hegelgasse 6 / 5, A - 1010 Wien
Tel.: +43 / 1 / 512 37 37, Fax.: +43 / 1 / 512 37 37-20
office@demokratiezentrum.org