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Abb. 2: Sowjetdenkmal am ursprünglichen Standort

Sowjetdenkmal am ursprünglichen Standort, Tallinn
© akg-images/RIA Nowosti

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Auch über 60 Jahre nach Kriegsende kann sich die bilaterale Sprengkraft eines Ehrenmals für die damals gewaltsam Gestorbenen noch erweisen. Dies lehrt das Beispiel einer Bronzestatue in der estnischen Hauptstadt Tallinn. Das etwa zwei Meter hohe Denkmal stellt einen Rotarmisten dar, dessen gesenkter Kopf die Trauer um gefallene Kameraden anzeigt. Dieser Ehrenbezeugung dient auch der abgenommene Helm, den er in der Rechten hält. Das Sowjetdenkmal wurde bereits 1947 im Zentrum von Tallinn aufgestellt und stand, wie auf der hier gezeigten Abbildung zu sehen ist, leicht erhöht in einer Nische vor einer steinernen Wand. Angehörige der russischen Minderheit in Estland legten dort auch nach dem Zusammenbruch der UdSSR zum 9. Mai, dem sowjetischen Tag des Sieges, Blumen für die gefallenen Soldaten der Roten Armee nieder. In Estland, Lettland und Litauen wird der Sieg der Sowjets über das nationalsozialistisch regierte Deutschland allerdings häufig als Einleitung einer neuerlichen Phase der Okkupation des Baltikums betrachtet. Aus dieser Sicht erschien also auch „Aljoscha“, so hieß die Soldatenfigur im Volksmund, als problematisches Symbol. Im Mai 2006 erklärte der estnische Premierminister Andrus Ansip deshalb, das Denkmal solle entfernt werden. Auf Basis eines entsprechenden Gesetzes wurde der Bronzesoldat schließlich am 27. April 2007 von seinem ursprünglichen Standort entfernt und auf einem Militärfriedhof am Stadtrand wieder aufgestellt.[1] Zudem wurden die in seiner Umgebung begrabenen Rotarmisten in der Folge exhumiert und umgebettet. Viele RussInnen empfanden dieses Vorgehen als Provokation, in Tallinn kam es deshalb zu tagelangen Unruhen mit einem Toten und mehreren Verletzten. Obwohl Russland keine offiziellen Handelssanktionen verhängte, waren die wirtschaftlichen Konsequenzen der symbolpolitischen Umzugsaktion in Estland doch spürbar, da der östliche Nachbar seinen Warenverkehr teilweise umleitete. Auch die estnische Tourismusindustrie hatte Einbußen zu verzeichnen.[2]

Benjamin Drechsel


[1] Vgl. dazu die kurze Zusammenfassung von Forssman, Berthold. 2007. „Der Streit um die Sowjetdenkmäler in Osteuropa.“ In eurotopics v. 30. Mai. Online-Publikation unter www.eurotopics.net/de/magazin/kultur-verteilerseite-neu/denkmalstreit_2007_05/debatte_denkmalstreit_2007_05/ (eingesehen am 24.3.2009), dort finden sich auch einige Hinweise zur Berichterstattung in der europäischen Presse.

[2] Vgl. Wolff, Reinhard. 2008. „Estlands Verluste durch russische Sanktionen – Aljoschas teurer Umzug.“ In die tageszeitung v. 26. April. Online-Publikation unter www.taz.de/1/politik/europa/artikel/1/aljoschas-teurer-umzug/ (eingesehen am 24.3.2009).


Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin, Sowjetdenkmal am ursprünglichen Standort. Bildanalysetext zur Abbildung 2 der Ikone „Denkmäler zum Zweiten Weltkrieg“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009, URL: www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/denkmaeler-zum-zweiten-weltkrieg/abb2-sowjetdenkmal-am-urspruenglichen-standort.html

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