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Abb. 8: Schuhe in Auschwitz

Schuhe in Auschwitz, 1945
© akg-images

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Die ehemalige Tötungsfabrik Auschwitz ist seit 1947 eine Gedenkstätte und gehört seit 1979 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Sichtbare architektonische Überreste, Abbildungen oder visuelle Symbole können und sollen das Grauen von Auschwitz nicht „realistisch“ reproduzieren. Das gilt beispielsweise auch für die vielen Tausend Schuhe (hier auf einer Fotografie aus dem Jahr 1945), die in Auschwitz über Jahrzehnte hinweg an jene deportierten Menschen gemahnt haben, die sie einst trugen. Solche Objekte und Bilder können jedoch dabei helfen, den Weg der Erinnerung zu beschreiten bzw. ihn zu verschließen.[1] Problematisch sind die abgebildeten Schuhe als „Synonymelemente“[2], weil sie die konkreten Taten und Leiden aus der Zeit des Lagerlebens im Ungefähren belassen. Nur symbolisch und indirekt wird die Gewalt des Massenmordens durch diese Artefakte sichtbar gemacht. Zugleich besteht die Chance einer solchen Form des visuellen Erinnerns darin, Präsentationsformen für die Opfer zu finden, ohne sie voyeuristisch auszustellen. Gerade die 1945 entstandenen fotografischen „Ikonen der Vernichtung“ (Cornelia Brink) aus den befreiten Lagern, welche Leichenberge und andere Schreckensszenen darstellen, reproduzieren häufig (in der Regel ungewollt) die Ohnmacht der ehemaligen Häftlinge, denn diese werden teilweise als entblößte Leichen gezeigt, welche den fremden Blicken noch über ihren Tod hinaus ungeschützt ausgeliefert wurden. Ob Objekte wie die Schuhe, Brillen und Koffer oder aber fotografische Abbilder also jeweils als angemessenere Erinnerungsmedien gelten, hängt ganz wesentlich von der unterschiedlichen Einschätzung ihrer unterschiedlichen Vorzüge und Nachteile ab.

Benjamin Drechsel

 


 

[1] In diesem Sinne schreibt Brink, Cornelia. 1998. Ikonen der Vernichtung. Öffentlicher Gebrauch von Fotografien aus nationalsozialistischen Konzentrationslagern nach 1945. Berlin: Akademie, S. 99 über die Abbildungen aus den befreiten Konzentrationslagern von 1945: „Wie eine Schutzschicht schoben sich die Fotos zwischen die Betrachter und die Wirklichkeit.“

 

 

 

 

[2] Hamann, Christoph. 2006. „Fluchtpunkt Birkenau. Stanislaw Muchas Foto vom Torhaus Auschwitz-Birkenau (1945).“ In Visual History. Ein Studienbuch, hg. v.Gerhard Paul, S. 283–302. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, S. 290.

 

 

 


Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin, Schuhe in Auschwitz. Bildanalysetext zur Abbildung 8 der Ikone „Auchwitz“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009,URL: www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/auschwitz/abb8-schuhe-in-ausschwitz.htmlCopyright (c): Demokratiezentrum Wien / Ludwig-Boltzmann-Institut für Europäische Geschichte und Öffentlichkeit Wien, 2009. Der Text ist lizenziert unter der Creative Common-Lizenz by-nc-nd/3.0/Austria. Für das verwendete Bildmaterial wurden die Nutzungerechte ausschließlich für dieses Projekt erworben. Wir haben uns bemüht, alle Inhaber von Bildrechten ausfindig zu machen. Sollten dennoch Urheberrechte verletzt worden sein, werden wir nach Anmeldung berechtigter Ansprüche diese entgelten.

 

 

 

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