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Abb. 6: Detail des Schriftzugs „ARBEIT MACHT FREI“

Detail des Schriftzugs „ARBEIT MACHT FREI“, Januar 1995
© akg-images/Michael Teller

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Neben dem Birkenauer Torhaus  (Abb.3) ist ein weiteres Tor des Auschwitzer Lagerkomplexes zur Medienikone geworden: Das Tor des Stammlagers (Auschwitz I) mit der berüchtigten Inschrift „ARBEIT MACHT FREI“ (Abb.4). Hier verschmelzen Schrift und Bild zu einer unlösbaren Einheit, die belegen kann, dass Bildinterpretationen stets genaues Hinsehen, aber auch die Erarbeitung von Kontextwissen erfordern. In die nationalsozialistische Herrschaftsarchitektur ist nämlich im Zusammenhang mit der zynischen Devise „ARBEIT MACHT FREI“ vermutlich ein versteckter visueller Protest eingeschrieben, der sich für gewöhnlich nicht auf den ersten Blick enthüllt, sondern nur mithilfe von Zusatzinformationen: Die Häftlinge des Schlosserkommandos in Auschwitz mussten das eiserne Spruchband persönlich anfertigen. Das Zitat lässt sich bis in die Literatur des 19. Jahrhunderts zurückverfolgen und wurde auch in anderen nationalsozialistischen Lagern angebracht, so etwa im Konzentrationslager Dachau.[1] Es trug dort zur propagandistischen Besetzung des Raumes bei und diente dabei nicht zuletzt der Demütigung der Gefangenen. Sie sollten durch den Spruch als FaulenzerInnen stigmatisiert werden. Zynisch war die Inschrift nicht zuletzt deshalb, weil Arbeit von der SS gezielt als Mordinstrument gegen die Häftlinge in Auschwitz eingesetzt wurde. Die ihnen versprochene Freiheit war also gleichbedeutend mit ihrem Tod. Der Schriftzug über dem Tor gibt bei genauer Betrachtung Auskunft über einen stummen Protest gegen diese Verhöhnung: Der polnische Kunstschlosser Jan Liwacz soll das hier gezeigte „B“ (es handelt sich um ein Detail einer Fotografie von Michael Teller) im Wort „ARBEIT“ gezielt so verdreht haben, dass die größere Wölbung des Buchstabens oben und die kleinere unten zu sehen war.[2]

Benjamin Drechsel

 


 

[1] Vgl. Riedel, Dirk. 2006. „,Arbeit macht frei‘. Leitsprüche und Metaphern aus der Welt des Konzentrationslagers.“ Dachauer Hefte 22 (November 2006), S. 11–29.

 

 

 

[2] Als „Die Legende vom umgedrehten ‚B’“ bezeichnet diesen Topos Rensinghoff, Ines. 1998. „Auschwitz-Stammlager – Das Tor ,Arbeit macht frei‘.“ In Das Gedächtnis der Dinge. KZ-Relikte und KZ-Denkmäler 1945–1995, hg. v. Detlef Hoffmann, S. 240–265. Frankfurt am Main: Campus, S. 261.

 

 

 

 


Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin, Detail des Schriftzugs „ARBEIT MACHT FREI“. Bildanalysetext zur Abbildung 6 der Ikone „Auchwitz“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009,URL: www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/auschwitz/abb6-detail-arbeit-macht-frei.htmlCopyright (c): Demokratiezentrum Wien / Ludwig-Boltzmann-Institut für Europäische Geschichte und Öffentlichkeit Wien, 2009. Der Text ist lizenziert unter der Creative Common-Lizenz by-nc-nd/3.0/Austria. Für das verwendete Bildmaterial wurden die Nutzungerechte ausschließlich für dieses Projekt erworben. Wir haben uns bemüht, alle Inhaber von Bildrechten ausfindig zu machen. Sollten dennoch Urheberrechte verletzt worden sein, werden wir nach Anmeldung berechtigter Ansprüche diese entgelten.

 

 

 

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