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Abb. 2: Luftaufnahme des Lagerkomplexes Auschwitz, 1944

Luftaufnahme des Lagerkomplexes Auschwitz, 1944
© akg-images

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Das größte nationalsozialistische Konzentrations- und Vernichtungslager hat den Namen der nahe gelegenen Stadt Auschwitz (heute wieder: Oświęcim)weltweit bekannt gemacht.[1] Es handelte sich genau genommen um einen Lagerkomplex, der seit Ende 1943 aus drei selbstständigen Bereichen bestand: Stammlager (Auschwitz I), Birkenau (Auschwitz II) und Monowitz (Auschwitz III, hier im Bild als „BUNA“ gekennzeichnet, zur Erläuterung siehe unten). Die vorliegende Abbildung zeigt die Tatorte von oben. Es handelt sich nach Angaben der Bildagentur akg-images um eine Aufnahme der alliierten Luftaufklärung vom 26. Juni 1944. Sie dient hier als Beispiel dafür, dass sich Bildperspektiven mit Machtverhältnissen verschränken. Fotografische Luftaufnahmen der Alliierten von Auschwitz wie die hier gezeigte kamen folgerichtig seit 1944 zustande, als das Deutsche Reich im Zweiten Weltkrieg immer stärker in die Defensive geriet.[2] Zu diesem Zeitpunkt existierte die Tötungsfabrik bereits seit Längerem: Das Stammlager war etwa seit Mitte 1940 entstanden, als Kommandant fungierte zunächst Rudolf Höß, der dazu vom Reichsführer SS, Heinrich Himmler, ernannt wurde. Die dort untergebrachten Häftlinge, häufig polnischer Herkunft, wurden durch Zwangsarbeit (u.a. in SS-eigenen Produktionsstätten) gequält und getötet, wobei auch andere Exekutionsformen an der Tagesordnung waren. Der größte Bereich des Lagerkomplexes, Auschwitz-Birkenau (Auschwitz II), entstand 1941/1942 und wurde bis kurz vor Kriegsende immer wieder erweitert. Bis zu ca. 100.000 Häftlinge waren zeitgleich in diesem Vernichtungslager untergebracht. Ihre Zahl änderte sich aufgrund der Massenmorde ständig. Auschwitz III war ein Netzwerk von Nebenlagern, deren größtes, Monowitz, 1941 für die IG Farben errichtet wurde, um eine Produktionsstätte für synthetischen Kautschuk (Buna) zu schaffen. In der Folge kam es zu weiteren Industrieansiedlungen. Neben Häftlingen mussten hier Tausende zwangsverpflichtete ArbeiterInnen aus verschiedenen europäischen Staaten ihren Dienst tun. Im gesamten Lagerkomplex war die Todesrate der Inhaftierten sehr hoch.

Benjamin Drechsel

 


[1] Als Einführung in die wechselvolle Stadtgeschichte sowie als ersten Überblick über das Geschehen im Lagerkomplex vgl. Steinbacher, Sybille. 2007. Auschwitz. Geschichte und Nachgeschichte. München: C. H. Beck (2. Auflage).

[2] Zur Verschränkung von Machtposition und Vogelperspektive in Kriegsbildern vgl. z.B. Paul, Gerhard. 2004. Bilder des Krieges – Krieg der Bilder. Die Visualisierung des modernen Krieges. Paderborn: Schöningh, S. 187/188; Lohoff, Markus. 2003. „Krieg zwischen Science und Fiktion. Zur Funktion technischer Bilder im Zweiten Persischen Golfkrieg.“ In Der Krieg im Bild – Bilder vom Krieg, hg. v. Arbeitskreis Historische Bildforschung, S. 105–127. Frankfurt am Main: Lang.


Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin, Luftaufnahme des Lagerkomplexes Auschwitz, 1944. Bildanalysetext zur Abbildung 2 der Ikone „Auchwitz“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009,URL: www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/auschwitz/abb2-luftaufnahme-auschwitz-1944.html

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