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Filmsequenz B: Duck and Cover

Duck and Cover (USA 1951)
Regie: Anthony Rizzo
Produktion: Archer Productions
Quelle: Internet Archive
Sequenz: 00:00-02:47<br/>

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Von 1950 bis 1951 wurden an den öffentlichen Schulen in New York City, Los Angeles, Chicago, Detroit, Milwaukee, Fort Worth, San Francisco und Philadelphia Luftangriffsübungen unter dem Motto „Duck and Cover“ durchgeführt.[1] Zur Popularisierung des Duck and Cover wurden Wanderausstellungen und Millionen didaktischer Comics und Broschüren produziert, um das Bewusstsein der atomaren Gefahr zu schärfen.[2] Eine Politik der Angst sollte die Routinen des städtischen Alltags beherrschen. Am Höhepunkt des Kalten Krieges wurde Duck and Cover zum Leitspruch bei der Einführung des zivilen Verteidigungsprogramms der Federal Civil Defense Administration (FCDA).

Im Jahre 1951 produzierte die US-Zivilverteidigungsbehörde FCDA den Film Duck and Cover für Kinder.[3] In diesem Zeichentrickfilm zeigt die animierte Schildkröte Bert den Kindern, wie sie sich bei Atomexplosionen verhalten sollen. Zunächst klärt sie die jugendlichen Zuseher darüber auf, wie eine Atombombenexplosion zu erkennen sei. Die Explosion einer Atomwaffe wird mit einem tricktechnisch manipulierten Gewitterblitz verglichen. Die animierten Szenen im Cartoon-Stil vergleichen die Atombombe mit einer Naturkatastrophe und versuchen damit den Schrecken der Kriegsdrohung zu naturalisieren und ästhetisch zu verharmlosen. Der Off-Kommentar erwähnt einen „hellen Blitz, heller als die Sonne“. Um den durch die Gewalt der Detonation möglichen Verletzungen zu entgehen, empfiehlt der Film, sich mit dem Gesicht zum Boden in Deckung zu begeben (engl. (to) duck, „sich ducken“) und sich zu schützen (engl. (to) cover, „sich bedecken“), etwa mit einem Mantel, Tischtüchern oder auch einer Zeitung. Der Lehrfilm konzentriert sich ausschließlich auf die unmittelbaren Folgen der Nuklearexplosion, verschweigt allerdings die sekundären Gefahren eines radioaktiven Fallouts bei der Atombombenexplosion. Obwohl man dem Lehrfilm seit seinen ersten Aufführungen in den USA wiederholt eine Bagatellisierung der atomaren Kriegstechnologie vorwarf, wurde er 2004 für das National Film Registry mit dem Zertifikat „culturally, historically and aesthetically significant motion picture“ ausgezeichnet.

Ramón Reichert


[1] Brown, JoAnne. 1988. “A is for Atom, B is for Bomb.” In Journal of American History 75/1: S. 80.

[2] Cohen, Lizabeth. 2003. A Consumer's Republic. The Politics of Mass Consumption in Postwar America. New York, S. 119.

[3] „Duck and Cover“ (1951), Prelinger Archive: www.archive.org/details/DuckandC1951 (letzter Zugriff 18.7. 2005)


Zitierempfehlung: Reichert, Ramón, Duck and Cover. Filmanalysetext zur Filmsequenz B der Ikone „Atomzeitalter“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009, URL: www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/atomzeitalter/filmsequenz-b-duck-and-cover.html

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