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Abb. 5: Besetzte Botschaft

Besetzte Botschaft, Prag 4. Oktober 1989
©Sygma/Corbis/Bernard Bisson

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Im Sommer 1989 flüchteten viele DDR-BürgerInnen in die bundesrepublikanischen Botschaften in Prag und Warschau. Andere warteten zu Zehntausenden den weiteren Lauf der Dinge in Ungarn ab, da die dortige Grenze zu Österreich für sie offiziell noch immer geschlossen war. Der ungarische Außenminister Gyula Horn erklärte dann jedoch am 10. September 1989 in einem Fernsehinterview, dass diesen Menschen die Ausreise nicht länger verwehrt bleiben werde. Ein dem entgegenstehendes Reiseabkommen mit der DDR wurde außer Kraft gesetzt. Auch die Warschauer und Prager Botschaftsflüchtlinge konnten schließlich in den Westen ausreisen; am 30. September verkündete der deutsche Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) den Menschen in der Prager Botschaft diese Nachricht persönlich, wobei seine vom Balkon des Palais Lobkowicz (in dem die Botschaft untergebracht war) gesprochenen Worte im tosenden Jubel untergingen. Die Botschaftsflüchtlinge wurden Anfang Oktober 1989 in verschlossenen Sonderzügen unter Begleitung des Staatssicherheitsdienstes durch die DDR in die Bundesrepublik transportiert.[1] Unsere Abbildung zeigt eine Menschenmenge, die am 4. Oktober 1989 vor der bundesrepublikanischen Botschaft in Prag darauf wartete, auf dem Schienenweg ausreisen zu dürfen. Die Züge fuhren über Dresden ins bayerische Hof.[2]

Benjamin Drechsel


[1] Offiziell wurde der Anschein einer Ausweisung aufrecht erhalten (Wolfrum, Edgar. 2009. Die Mauer. Geschichte einer Teilung. München: Beck, S. 131).

 

[2] Neubert, Ehrhart. 2008. Unsere Revolution. Die Geschichte der Jahre 1989/90. München: Piper, S. 69, bringt das Einlenken des SED-Regimes mit den anstehenden 40-Jahr-Feiern in Verbindung, zu denen negative Schlagzeilen unerwünscht waren.


 

Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin, Besetzte Botschaft. Bildanalysetext zur Abbildung 5 der Ikone „1989“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009, URL: www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/1989/abb5-besetzte-botschaft.html

Copyright (c): Demokratiezentrum Wien / Ludwig-Boltzmann-Institut für Europäische Geschichte und Öffentlichkeit Wien, 2009. Der Text ist lizenziert unter der Creative Common-Lizenz by-nc-nd/3.0/Austria. Für das verwendete Bildmaterial wurden die Nutzungerechte ausschließlich für dieses Projekt erworben. Wir haben uns bemüht, alle Inhaber von Bildrechten ausfindig zu machen. Sollten dennoch Urheberrechte verletzt worden sein, werden wir nach Anmeldung berechtigter Ansprüche diese entgelten.

 

 

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