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Abb. 13: Sturz der Hoxha-Statue

Sturz der Hoxha-Statue, Tirana (Albanien) 20. Februar 1991
© AP / L.Lika

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Politische Systemwechsel gehen häufig auch mit einer radikalen Veränderung der öffentlichen Denkmallandschaft einher. Zahlreiche Monumente wurden in solchen Zusammenhängen schon im antiken Rom oder auch im Laufe der Französischen Revolution deformiert, und die USA haben nach dem Sturz des irakischen Diktators Saddam Hussein noch im Jahr 2003 sehr viel Wert darauf gelegt, ein mit ihm verbundenes Denkmal in Bagdad möglichst öffentlichkeitswirksam abzubauen.[1] Auch der Niedergang des ost(mittel)europäischen Staatssozialismus zog gegen Ende der 1980er- bzw. Anfang der 1990er-Jahre die Demontage zahlreicher Statuen von ehemaligen Machthabern und Vordenkern nach sich. So wurde in Warschau am 17. November 1989 ein Denkmal des ersten Chefs des sowjetischen Geheimdienstes, Feliks Dzierżyński, entfernt, nach dem in der DDR auch ein Wachregiment des Ministeriums für Staatssicherheit benannt worden war.[2] Knapp zwei Jahre später, am 22. August 1991, wurde in Moskau das Dzierżyński-Denkmal auf dem Lubjanka-Platz gestürzt. Auch der rasche Abbau der Berliner Mauer und anderer Teile des "Eisernen Vorhangs" zählen zu den wichtigsten öffentlichen Denkmalstürzen, welche sich aus den politischen Umbrüchen von 1989 ergaben (auch wenn es sich dabei um zunächst nicht als solche intendierte Denkmäler gehandelt hatte). Zu den demontierten Monumenten, die einst gezielt zu Ehren bestimmter Persönlichkeiten errichtet worden waren, zählten die Lenin-Statue in Bukarest oder das Denkmal für Enver Hoxha, den 1985 verstorbenen Diktator und Gründer der Kommunistischen Partei Albaniens. Unsere Abbildung zeigt den Augenblick des Sturzes dieser Statue in der Hauptstadt Tirana am 20. Februar 1991. Jubelnde Menschen sind links auf einem Häuserdach zu sehen: In der kompositionellen Logik des Bildes sind sie höher angesiedelt (und damit mächtiger) als die im Fallen begriffene Monumentalstatue. Die Schwarz-Weiß-Fotografie steht hier stellvertretend für eine „Ikonographie des Denkmalsturzes in Osteuropa“[3], die den tiefen Fall der einstmals Mächtigen auch Jahre später noch sinnlich fassbar macht. Typische Motive zeigen Statuen, die bereits am Boden liegen oder durch Kräne von ihren Sockeln entfernt werden. Aufgegriffen und transformiert wurde diese Bildersprache später beispielsweise in einer Szene des Spielfilms Good bye Lenin (Deutschland 2003), die das entschwebende Oberteil einer Statue zeigt.[4]

Benjamin Drechsel


[1] Fahlenbrach, Kathrin/Viehoff, Reinhold. 2005. „Medienikonen des Krieges. Die symbolische Entthronung Saddams als Versuch strategischer Ikonisierung.“ In War Visions. Bildkommunikation und Krieg, hg. v. Thomas Knieper und Marion G. Müller, S. 356–387. Köln: Halem.

[2] Koch, Hagen/Lapp, Peter J. 2008. Die Garde des Erich Mielke. Der militärisch-operative Arm des MfS. Das Berliner Wachregiment „Feliks Dzierzynski“. Aachen: Helios.

[3] Binder, Eva. 2008. „Gestürzt. Zur Ikonografie des Denkmalsturzes in Osteuropa.“ In Das Jahrhundert der Bilder. Band II: 1949 bis heute, hg. v. Gerhard Paul, S. 614–621. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

[4] Lindenberger, Thomas. 2006. „Zeitgeschichte am Schneidetisch. Zur Historisierung der DDR in deutschen Spielfilmen.“ In Visual History. Ein Studienbuch, hg. v. Gerhard Paul, S. 353–372. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, S. 364f.


 

Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin, Sturz der Hoxha-Statue. Bildanalysetext zur Abbildung 13 der Ikone „1989“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009,
URL: http://www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/1989/abb13-sturz-der-hoxha-statue.html

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