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Filmsequenz B: Bed-In, John Lennon und Yoko Ono

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Nach ihrer Hochzeit am 20. März 1969 in Gibraltar luden John Lennon, Mitglied der Beatles und Yoko Ono, Aktions- und Fluxuskünstlerin, am 24. März 1969 JournalistInnen in ein Amsterdamer Hotelzimmer zu einem einwöchigen Bed-In. Veranstaltet wurde das erste Bed-In in einem Amsterdamer Hilton-Hotel. Sieben Tage lang gaben Lennon und Ono vom Bett aus Interviews, um mit der Verwandlung der Flitterwochen in ein öffentliches Medienereignis ein sichtbares Zeichen für den Weltfrieden zu setzen: „Als wir heirateten, wussten wir, dass unsere Flitterwochen sowieso öffentlich sein würden, also beschlossen wir, sie zu nutzen. Unser Leben ist unsere Kunst. Das war das Bed-In[1]. Das prominente Künstlerpaar verknüpfte damit das Privatleben mit Aktionskunst und Medienpräsenz und stieß damit einen längerfristigen Trend der Aufmerksamkeitssteigerung durch mediale Selbstinszenierung an. Nach dem Amsterdamer Bed-In setzten sie ihre Hochzeitsreise mit einem Bag-In in Wien fort. Dabei saßen die beiden in einem weißen Sack. Im Mai 1969 wiederholten sie das Bed-In im Queen Elizabeth Hotel in Montreal in den Suiten 1738 und 1742. Im Hotelzimmer schrieb John Lennon – in Gesellschaft von Rhada-Krishna-Jüngern, Allen Ginsberg, Timothy Leary und Phil Spector – den Song Give Peace a Chance; es entstand das erste Solo des Ex-Beatles. Am 1. Juni 1969 wurde ein Aufnahmegerät beschafft und das Protestlied aufgezeichnet. Die Single Give Peace a Chance und das gleichnamige Video wurden bald darauf zu Stilikonen der popkulturellen Friedensbewegung der 68er.

Die TV-Dokumentation über die – für die 68er-Bewegung typische – gegenkulturelle Protestform des Bed-In nutzt vor allem die Register dokumentarischer Authentizitätssuggestion. Am Erfolg des Bed-In ist auf maßgebliche Weise der evidenzstiftende Darstellungsstil beteiligt. Seine Medienästhetik setzt mit dem verwendeten Filmmaterial im Rohschnitt Authentizitätsmarker, die in der Mise en Scène mit den ästhetischen Stilmitteln der Unschärfe, der niedrigen Bildauflösung und der Handkamera tendenziell verstärkt werden.

Ramón Reichert


[1] Fawcett, Anthony. 1995. John Lennon. Beatle, Künstler, Provokateur. Bergisch Gladbach, S. 187.


Zitierempfehlung: Reichert Ramón, Bed-In, John Lennon und Yoko Ono. Filmanalysetext zur Filmsequenz B der Ikone „1968“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009,
URL: http://www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/1968/filmsequenz-b-bed-in-john-lennon-und-yoko-ono.html

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