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Filmsequenz A: Studentenproteste in Rom

Studentenproteste in Rom
Sendeformat: Von Woche zu Woche, 9. März 1968, Produktion: Österreichischer Rundfunk (ORF)
Quelle: Archivmaterial ORF
Sequenz: 00:00 – 00:54

Aus kostenrechtlichen Gründen können wir diese Filmsequenz nicht mehr online anbieten.

Im Nachrichtenmagazin Von Woche zu Woche wird am 9. März 1968 ein Fernsehbeitrag über die Studentenproteste in Rom ausgestrahlt. Die italienischen Studentendemonstrationen vom März ’68 richteten sich insbesondere gegen den Vietnamkrieg und die Politik der Universitätsleitungen. Der Beitrag setzt sich aus drei filmischen Zeichensystemen zusammen. Das visuelle Zeichensystem besteht aus den dokumentarischen Filmaufnahmen, die vor Ort, in Rom, gedreht wurden. Das filmische Bild wird in diesem Beitrag über die italienischen Studentendemonstrationen mit zwei auditiven Bedeutungsebenen synchronisiert: dem verbalsprachlichen und dem musikalischen Zeichensystem. Die Komposition aller drei Zeichensysteme zielt auf die dramatisierende Verstärkung des filmischen Bildes. Die Stimmfarbe und -höhe der männlichen Kommentarstimme soll den Bildern einen ernsthaften Sinnzusammenhang verleihen und setzt sich mit imponierenden Gesten in Szene. Zusätzlich wird dieser spannungsgeladene Aspekt verstärkt durch eine melodramatische Musik, die den theatralischen Gehalt der gezeigten Bilderfolge herausstreicht.

Der Off-Kommentar besteht aus einem Stakkato von Behauptungssätzen, die weniger argumentativ, sondern vielmehr suggestiv aufgebaut sind. Der Fernsehbeitrag beginnt mit den Worten:

„Rom erlebte in dieser Woche die schwersten Studentenkrawalle seit zehn Jahren. [Totale, Untersicht] Am blutigen Ende der Demonstrationen waren die Studenten allerdings nur teilschuldig. [Nahaufnahme] Sie forderten ein besseres Hochschulgesetz. [Totale, Obersicht]“

Die Überlagerung der drei genannten filmischen Zeichensysteme soll in erster Linie die Plausibilität der Fernsehnachrichten herstellen. Daher sind die Zeichensysteme vor allem in ihrer wechselseitigen Verstärkung aufeinander bezogen. Die Gestaltungsweise von Bild, Stimme und Musik folgt in dieser Hinsicht der Logik der anschaulichen Überzeugung. Vor diesem Hintergrund fungieren die gezeigten Bilder als Illustrationen des vorausblickenden und alles durchschauenden Off-Kommentars, der etwa behauptet, dass die Studierenden „nur teilschuldig“ seien. Diese tolerante Geste (im Einleitungsstatement war noch von „Studentenkrawallen“ die Rede) illustriert das filmische Bild, indem die Studierenden diesmal nicht aus der distanzierten Totalperspektive (starke Obersicht), sondern in einer nahen Einstellung gezeigt werden, welche die Studierenden im solidarischen Schulterschluss präsentiert.

Ramón Reichert


Zitierempfehlung: Reichert Ramón, Studentenproteste in Rom. Filmanalysetext zur Filmsequenz A der Ikone „1968“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009,
URL: http://www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/1968/filmsequenz-a-studentenproteste-in-rom.html

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