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Abb. 5: Demonstration gegen den Krieg in Vietnam mit Vor-Bildern

Demonstration gegen den Krieg in Vietnam mit Vor-Bildern, Berlin 18. Februar 1968
©Picture alliance

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Die 68er-Bewegungen inszenierten sich häufig durch unkonventionelle politische Ikonographien (Abb. 4). Sie setzten ihr Selbstverständnis aber unter anderem auch über die Inszenierung von Massenkörpern ins Bild.[1] Die dabei entwickelte Ikonographie lehnte sich bisweilen eng an tradierte Motive (u.a. der ArbeiterInnenbewegung) an, so etwa anlässlich des Internationalen Vietnam-Kongresses im Februar 1968. Dazu hatte der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS) nach Berlin eingeladen. Am Ende des Kongresses kam es zu einer medienwirksamen Demonstration: Unsere Abbildung zeigt, dass die weit über 10.000 Teilnehmenden am 18. Februar 1968 ihre visuelle Inszenierung keineswegs nur auf den Massenkörper beschränkten, den sie beim gemeinsamen Marsch bildeten. Vielmehr führten sie Vor-Bilder wie Rosa Luxemburg, Lenin oder Ernesto (Che) Guevara „in effigie“ mit sich.[2] Auch hinsichtlich ihrer eigenen Führungspersönlichkeiten waren die 68er-Bewegungen stets (wie praktisch alle relevanten politischen Strömungen des 20. Jahrhunderts) durch ihre massenmediale Personalisierung gekennzeichnet: Obwohl sie dem postmodernen Feminismus sicherlich mit den Weg bereitet haben, waren ihre Ikonen in aller Regel männlich. Am Internationalen Vietnam-Kongress in Berlin nahmen z.B. der französische Trotzkist Alain Krivine, die Briten Tariq Ali und Robin Blackburn von der Vietnam Solidarity Campaign oder Giangiacomo Feltrinelli von der italienischen Partito Socialista di Unità Proletaria teil. Auch wenn die Zahl der Teilnehmenden im Verhältnis zu Großdemonstrationen in London oder Paris einige Wochen später sehr bescheiden ausfiel, wurde der Berliner Kongress und die abschließende Demonstration doch zu einem wichtigen Datum der europäischen Protestgeschichte des Jahres 1968, weil es dabei zu einer transnationalen Vernetzung unterschiedlicher sozialer Bewegungen kam.

Benjamin Drechsel


[1] Vgl. Fahlenbrach, Kathrin. 2002. Protest-Inszenierungen. Visuelle Kommunikation und kollektive Identitäten in Protestbewegungen. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag.

[2] Vgl. zur Ikone „Che“ z.B. Alakus, Baris/Kniefacz, Katharina/Reisinger, Werner. 2007. Chevolution. Mythos und Wirkung des Ernesto Guevara. Wien: Mandelbaum.


Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin, Demonstration gegen den Krieg in Vietnam mit Vor-Bildern. Bildanalysetext zur Abbildung 5 der Ikone „1968“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009,
URL: www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/1968/abb5-demonstration-gegen-den-krieg-in-vietnam-mit-vor-bildern.html

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