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Abb. 12: Internationaler Protest

Internationaler Protest, London 12. Juni 1968
© UPI / Keystone / picturedesk.com

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Wie vielleicht keine andere Person steht Daniel Cohn-Bendit heute als europäische Medienikone für die Ereignisse von 1968, aber auch für deren (geschichts-)politisches Nachwirken in den folgenden Jahrzehnten. Verantwortlich dafür ist nicht zuletzt ein Schnappschuss des Fotografen Gilles Caron vom 6. Mai 1968 in Paris (Abb. 10). In den 1970ern war Cohn-Bendit eine Schlüsselfigur der Frankfurter Spontis und vollzog dann die Wende vom „roten Dany“ zum grünen Realo. Schließlich wurde er Abgeordneter im Europäischen Parlament und Fraktionschef der EU-Grünen. Cohn-Bendit symbolisiert damit zum einen die institutionelle Einhegung und Zähmung der einstigen RevoluzzerInnen in ihrem „langen Marsch durch die Institutionen“, zum anderen personifiziert er aber auch die europäische Dimension der Ereignisse von 1968. So ist er gemeinsam mit Tariq Ali (Abb. 6) und anderen Symbolfiguren des damaligen Protests auf dem Umschlag einer 2008 erschienenen englischsprachigen Publikation zu „1968 in Europe“ abgebildet.[1] Das Coverfoto (hier zu sehen) ist im Zusammenhang mit einer Sendung der BBC in London entstanden, die einen Tag später, am 13. Juni 1968, unter dem Titel „Students in Revolt“ ausgestrahlt wurde. Als Moderator fungierte der Brite Robert McKenzie. ProtagonistInnen der Proteste aus ganz Europa, aber auch aus Japan und den USA waren angereist: Neben Ali oder Cohn-Bendit sind auf der Fotografie u.a. auch die Jugoslawin Dragana Stavijel (vorne links), der Franzose Alan Geismar (vorne rechts) sowie der Belgier Leo Nauweds (hinten links) und der Deutsche Ekkehart Krippendorff (hinten Mitte) zu sehen. Mit angewinkelten Armen visualisieren sie ihre Verbindung mit weit zurückreichenden linken Traditionen; so war die „Arbeiter-Faust“ in Deutschland bereits in den 1920er-Jahren zum Klassenkampfsymbol und dann auch ein demonstratives Gegenbild zum Hitlergruß geworden.[2] Zum Abschluss des BBC-Treffens im Jahr 1968 wurde passend dazu die „Internationale“ in den jeweiligen Landessprachen gesungen.[3]

Benjamin Drechsel


[1] Klimke, Martin/Scharloth, Joachim. 2008. 1968 in Europe. A History of Protest and Acitivism, 1956–1977. London: Palgrave Macmillan (Informationen zur Sendung dort auch auf S. 1f).

[2] Vgl. Ahbe, Thomas/Gibas, Monika/Gries, Rainer. 2005. „Der Handschlag. Das Propagem der Einheit und eine seiner tradierten Symbolisierungen.“ In Kultur der Propaganda, hg. v. Rainer Gries und Wolfgang Schmale, S. 305–337. Bochum: Winkler, hier S. 311. Dabei gab es im linken Lager konkurrierende Versionen der ArbeiterInnen-Faust.

[3] Vgl. Klimke, Martin. 2008. „1968 als transnationales Ereignis.“ In Aus Politik und Zeitgeschichte 14/15: S. 22–27, hier S. 26.


Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin, Buchcover „1968 in Europe“. Bildanalysetext zur Abbildung 12 der Ikone „1968“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009,
URL: www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/1968/abb12-buchcover-1968-in-europe.html

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