Europäisches politisches Bildgedächtnis

Hinweis: Dieses Bildmodul ist Projektergebnis des 2009 abgeschlossenen Forschungsprojekts "Europäisches Politisches Bildgedächtnis". Die Texte des Bildmoduls sind zugänglich,  Bild - und Videomaterial kann aus rechtlichen Gründen nicht mehr angeboten werden.

Bilder prägen unsere historischen Vorstellungswelten. Allein schon durch ihre Allgegenwärtigkeit – im öffentlichen Raum, in den Printmedien, in Film und Fernsehen – erzielen sie Wirkung und verändern unsere Wahrnehmung. Die Bedeutung von Bildern, die Funktion visueller Kommunikation in Europa seit dem 20. Jahrhundert sowie die Frage, wie sich über die Analyse von Bildern ein europäisches Bildgedächtnis nachzeichnen lässt, bilden den Mittelpunkt des transdisziplinären Forschungsprojekts „Europäisches politisches Bildgedächtnis."

Im Gegensatz zu anderen Forschungszugängen- beispielsweise jenem der Historikerin Susanne Popp, einen Bilderkanon anhand der Illustrationen in europäischen Schulbüchern mit europaweit herausragendem historischen Erinnerungs- und Symbolwert zu destillieren und damit den ikonischen Kernbestand eines transnationalen historischen "Bildgedächtnisses" zu begründen[1] - thematisiert dieses Bildmodul Genese und Wandel von erinnerungskulturell bedeutenden Bilderwelten europäischer politischer Ereignisse. Das Bild-Modul präsentiert exemplarisch einzelne Schichten des europäischen Bildgedächtnisses. Es ist als offenes und prozessorientiertes Projekt zu verstehen und dadurch ständig erweiterbar.

Struktur des Online-Bildmoduls Europäisches politisches Bildgedächtnis
Die Themenwahl wird entlang spezifischer Leitperspektiven zur europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts getroffen; dazu zählen insbesondere Kriege, der Holocaust, der Ost-West-Konflikt sowie Migration. Ikonen und Ikonographien politischer Ereignisse des 20. und 21. Jahrhunderts wurden nach folgenden Themenclustern exemplarisch ausgewählt und werden in dieser Reihenfolge in der Ikonenübersicht angeboten.

Diese Ikonen umfassen Bildmotive von Ereignissen, deren Bedeutung für die europäische politische Geschichte des 20. Jahrhunderts transnational prägend geworden ist. Auf der Überblicksseite Ikonenübersicht findet sich stellvertretend für die Abbildungen, aus welchen sich die Ikone zusammensetzt, ein besonders aussagekräftiges Bildmotiv. Ein Klick führt zur jeweiligen Ikone.

Die Ikonen werden wie folgt analysiert: Die visuellen Teilaspekte jeder einzelnen Ikone werden in neun bis vierzehn Abbildungen beziehungsweise auch in Filmsequenzen dargestellt und in dazugehörigen Analysetexten behandelt. Entwicklung und Zusammenhänge dieser Teilmotive werden in einem umfangreichen Bildaufsatz zur Ikone erläutert. Diese Verbindung zwischen der Ikone und den einzelnen Abbildungen wird durch Verlinkungen zwischen den einzelnen Bildanalysetexten im Bildaufsatz wie auch einer teilweisen Vertiefung der Bildanalysetexte im Bildaufsatz gewährleistet. Durch nicht-lineare Linkstrukturen ist es also leicht möglich, von einem Bild zum nächsten bzw. von einer Ikone zur nächsten zu navigieren. Form und Inhalt sind damit aufeinander abgestimmt, denn auch die europäischen Erinnerungskulturen sind vielschichtig - und das heißt nicht-linear - strukturiert. Diese Linkstruktur trägt auch bewussten thematischen Überschneidungen und fließenden Übergängen zwischen einzelnen Bildmotiven und Ikonen Rechnung, daher finden sich mitunter einzelne Bildmotive in mehreren Ikonen wieder. Zudem ermöglichen die einzelnen Abbildungen in Miniaturansicht in der rechten Navigation eine gleichzeitige Übersicht auf die visuellen Teilmotive der Ikone und machen damit die im Bildaufsatz skizzierte Genese der Ikone visuell auf einen Blick erkenntlich. Die Linkstruktur ermöglicht auch am Ende jedes Bildaufsatzes eine thematische Weiterführung zu themenrelevanten Ikonen. In der Rubrik Hintergrund wird auf vertiefende Literatur und Internet-Angebote hingewiesen.

Zur Bildauswahl
Zentraler Analysegegenstand des Online-Bildmoduls stellt die Auswahl des Bildmaterials dar: Die Bildmotive, die eine Ikone bilden, weisen ein unterschiedliches Format auf, so werden die Ikonen anhand von Fotos, aber auch Cartoons, Gemälden, Abbildungen von Skulpturen, Gebäuden, Briefmarken, Logos, Filmsequenzen, Fernsehberichten, Wochenschau-Beiträgen und Still-Images (Standbildern eines Films) analysiert. Diese Auswahl von Bildmaterial, das von Nachrichtenagenturen, historischen Bildarchiven aber auch von FotografInnen und Organisationen stammt, beruht auf den vier Auswahlkriterien des Forschungsdesigns:

1. Piktorialität (Bildlichkeit) grenzt Medienikonen gegen Phänomene wie etwa Erinnerungsorte, Stars oder Mythen ab, mit denen sie nicht nur große Ähnlichkeiten aufweisen, sondern sich auch überschneiden.

2. Transikonizität bzw. Transmedialität bezeichnet auch intra- und intermediale Phänomene (Die Europaflagge etwa ist nicht nur auf Fahnen, sondern auch auf Logos, auf den Euroscheinen, in TV-Berichten zu EU-europäischen Themen zu finden etc.)

3. Hochfrequente und prominente Publikation bedingt, dass die Bildmotive Eingang in das Bildgedächtnis und in die kollektive Erinnerungskultur finden, da sie oftmals in Massenmedien gezeigt werden, um einen politischen Sachverhalt, ein Ereignis etc. zu visualisieren.

4. Politisierung bedeutet eine Bezugnahme auf die Bildmotive in (geschichts-)politischen Debatten sowie in Gedächtnispolitik.

Gertraud Diendorfer / Petra Mayrhofer

Last update (09/2009)

 


[1] Vgl. Popp, Susanne, Auf dem Weg zu einem europäischen "Geschichtsbild". Anmerkungen zur Entstehung eines gesamteuropäischen Bilderkanons, in: Aus Politik und Zeitgeschichte (B 7-8/2004) (07.09.2009)


Zitierempfehlung: Diendorfer, Gertraud / Mayrhofer, Petra, Europäisches Politisches Bildgedächtnis,  in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009, URL: www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis.html

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Europäisches politisches Bildgedächtnis

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