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Bild

Wie die Antwort auf die Frage "Was ist ein Bild?" ausfällt, hängt natürlich vom Kontext ab, in dem sie gestellt wird. ICONCLASH zielt auf die Analyse der kulturellen Bedeutung von Bildern und verwendet dementsprechend den Begriff "Bild" zur Bezeichnung einer Bedeutung tragenden Einheit im Feld des Sichtbaren. Ein Bild ist nicht nur, was kognitiv als Bild erkannt wird, sondern ebenso ein Mittel der Repräsentation, also etwas, wodurch Wahrnehmung und Bewusstsein sich auf die Anwesenheit eines abwesenden Objekts beziehen, sowie jener Rest bzw. Überschuss, jenes singuläre Ereignis, das in der visuellen Vermittlung von Repräsentant und Repräsentiertem jeweils nicht aufgeht. Der Begriff "Bild" bezeichnet die Ebene der Totalisierung der drei Aspekte Gegenstand, Medium und Ereignis. Wir verstehen unter "Bild" also einen Allgemein- oder Oberbegriff, der weiter differenziert werden muss, soll ein angemessenes Verständnis der kulturellen Bedeutung von Bildern gelingen.

 

Eine für die Analyse der "European Icons" viel versprechende Differenzierung des Bildbegriffs wurde von der Semiotik geleistet: Diese definiert das Bild als ein Ding, das – im Unterschied zur Sprache – zwar begriff-, aber nicht zeichenlos ist. Es setzt einen materiellen bzw. – im Falle elektronischer Übertragung und digitaler Datenverarbeitung – immateriellen Träger voraus, auf dem, wie Andreas Schelske formuliert, "Mitteilungen von Kulturen in einer unwahrscheinlichen Form von Zeichen segmentiert und sedimentiert sind, um etwas per Anschaulichkeit zu bezeichnen" (Schelske 1997:8). Bilder als flächige Artefakte segmentierter und sedimentierter Zeichen zu begreifen, die mit kulturellen Bedeutungen aufgeladen werden, erlaubt es, die Einheiten und Formen, die Gegenstände und Ereignisse und schließlich die Themen und Vorstellungen, die in Bildern enthalten sind, schichtenweise zu analysieren. Insbesondere in Bezug auf die Frage nach den Veränderungen und Differenzen innerhalb der Syntax und Semantik von Bildzeichen verspricht eine Bildanalyse ertragreich zu sein.

 

Literatur: Schelske, Andreas: Die kulturelle Bedeutung von Bildern: soziologische und semiotische Überlegungen zur visuellen Kommunikation, Wiesbaden 1997 (DUV: Sozialwissenschaft).

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